Politik

Jede fünfte Klinik schreibt rote Zahlen

Freitag, 3. Dezember 2010

Berlin – Jedes fünfte deutsche Krankenhaus hat im Jahr 2009 rote Zahlen geschrieben. Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken sei „äußerst kritisch“, sagte der Haupt­geschäfts­führer der Deutschen Kranken­hausgesellschaft (DKG), Georg Baum, am Freitag in Berlin anlässlich der Veröffentlichung des Krankenhaus Barometers 2010 durch das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI).

Danach wiesen im Jahr 2009 rund 68 Prozent der Krankenhäuser einen Überschuss, 21 Prozent einen Fehlbetrag und 11 Prozent ein ausgeglichenes Ergebnis auf. Für das Jahr 2011 rechnen die Kliniken der DKI-Studie zufolge mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer Lage.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen erklärte dazu, es könne nicht die Aufgabe der Beitragszahler sein, „aus ihren Portemonnaies verkrustete Strukturen zu finanzieren, bei denen jedes fünfte Krankenhausbett leer steht“.

In Deutschland müssten Überkapazitäten bei den Krankenhäusern abgebaut werden, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz. „Wenn ein Krankenhaus rote Zahlen schreibt, obwohl gleichzeitig über zwei Drittel aller Krankenhäuser Gewinne erwirtschaften und weitere elf Prozent mit dem Geld auskommen, dann muss man fragen, woran das liegt und nicht einfach nach mehr Geld rufen.“

Nach Darstellung der Deutschen Krankenhausgesellschaft wird im Jahr 2011 die Schere zwischen Kosten und Erlösen der Krankenhäuser durch gesetzliche Sparmaßnahmen weiter deutlich auseinandergehen.

Alleine durch die höheren Sozialversicherungsbeiträge und die bereits feststehenden Tarifabschlüsse für eine Million Beschäftigte in den Krankenhäusern würden die Personalkosten den durch die Gesetzgebung zugestandenen Vergütungszuwachs um das Dreifache überschreiten, sagte Baum.

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Noch sorgenvoller schauen die Kliniken laut Krankenhausgesellschaft in das Jahr 2012; dann erwarten sie weitere Tarifsteigerungen und erneut gekürzte Zuwachsraten. Darüber hinaus hätten die Kliniken erheblichen zusätzlichen Investitionsbedarf im Personalbereich. Das ergebe sich aus den neuen Arbeitszeitregelungen für Ärzte, der demografischen Entwicklung sowie des Ärztemangels in den Kliniken.

„Im Widerspruch dazu steht die von der Koalition über das Jahr 2012 hinaus installierte dauerhafte Rabattregelung zugunsten der Krankenkassen und zulasten der Kliniken“, kritisierte Baum. Damit entziehe die Regierungskoalition den Krankenhäusern über Jahre hinweg jährlich mehrere 100 Millionen Euro, die für die Zukunftssicherung dringend gebraucht würden. © kna/aerzteblatt.de

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