Politik

In 15 Jahren fehlen rund 150.000 Pflegekräfte

Montag, 6. Dezember 2010

Wiesbaden – Im Jahr 2025 werden rund 152.000 Pflegekräfte fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Krankenhauspatienten und Pflegebedürftigen zu versorgen. Das zeigen Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der sich am Dienstag mit Branchenvertretern trifft, forderte Verbesserungen beim Benotungssystem von Pflegeeinrichtungen, dem sogenannten Pflege-TÜV

Berechnungen des BIBB haben ergeben, dass im Jahr 2005 rund drei Viertel der ausgebildeten Pflegekräfte in ihrem erlernten Beruf arbeiteten. Diese stellten aber nur 56,4 Prozent aller Beschäftigten in Pflegeberufen dar.

Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel von 39.000 ausgebildeten Pflegevollkräfte gegeben, wenn nur diese in den Berechnungen berücksichtigt worden wären. „Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal aber noch über ungelernte beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompensiert werden“, hieß es aus dem BIBB.

Gemäß den Modellrechnungen wird das Angebot ausgebildeter Pflegevollkräfte im Jahr 2025 bei 747.000 liegen. Der Arbeitskräftemangel werde sich bis dahin auf rund 193.000 erhöhen. Selbst der bislang hohe Zugewinn an fachfremdem Pflegepersonal werde spätestens ab dem Jahr 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge würde es sehr helfen, wenn in Westdeutschland dieselbe Beschäftigungsstruktur wie in Ostdeutschland erreicht würde, nämlich mehr Voll- statt Teilzeitbeschäftigten. Hierdurch würde die Zahl der Pflegevollkräfte um 9,5 Prozent ansteigen, wodurch sich der Engpass im Jahr 2025 auf 34.000 Vollkräfte verringern würde.

Erforderlich hierfür wäre jedoch ein Trend zu mehr Arbeitsstunden beziehungsweise Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen in den Pflegeberufen. Dieser Trend lasse sich jedoch seit Beginn des Jahrtausends nicht erkennen.

In der Diskussion um die Kosten für die Pflege wies Röslers Sprecher Chistian Lipicki darauf hin, dass es in der Branche zwar einen Mindestlohn gebe. "Die Arbeitgeber, die gute Leute haben wollen, müssen heute auch schon mehr zahlen als den Mindestlohn", sagte Lipicki vor Journalisten in Berlin. Bei dem Gespräch zwischen Minister und Vertretern der Pflegebranche am Dienstag solle es aber nicht in erster Linie um Finanzfragen gehen.

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) drängten auf Verbesserungen für die Pflegekräfte. Damit es in Zukunft keinen Fachkräftemangel gibe, müsse es mehr Ausbildung geben, erklärte GKV-Vorstand Gernot Kiefer. "Es ist gut, dass das Ministerium jetzt die wichtigen Akteure an einen Tisch holt, um das Thema anzugehen." Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die Arbeitgeber.

Viele von ihnen hätten Dumpinglöhne, belastende Arbeit oder mangelnde Ausbildungsfinanzierung in Kauf genommen, um ihre Gewinne zu maximieren, erklärte Verdi-Vorstand Ellen Paschke.

Rösler zeigte sich unterdessen „regelrecht verärgert” über das Scheitern der Gespräche über den Pflege-TÜV. „Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen besser vergleichen können, welche Einrichtungen gut arbeiten und welche nicht”, sagte der Minister dem Berliner Tagesspiegel vom Montag.

Er kritisierte, dass eine Weiterentwicklung der Pflegenoten von ein paar kleinen Pflegeverbänden verhindert worden sei. „Das wollen und werden wir so nicht hinnehmen.”

Wenn die Selbstverwaltung im Pflegebereich sich nicht einigen könne, müsse eine gesetzliche Regelung gefunden werden. Denkbar sei die Einrichtung einer Schiedsstelle, die Kriterien für die Benotung festlegt. © hil/afp/aerzteblatt.de

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