Medizin

Multiple Sklerose: Nervenreparatur im Labor gelungen

Montag, 6. Dezember 2010

Cambridge – Britische Forscher sind möglicherweise auf einen neuen Therapieansatz bei der multiplen Sklerose gestoßen. Ihre Laborexperimente in Nature Neuroscience (2010; doi: 10.1038/nn.2702) zeigen, wie Stammzellen zur Reparatur zerstörter Myelinscheiden veranlasst werden können.

Die multiple Sklerose ist Folge einer Attacke des Immunsystems auf die Ummantelung der Axone mit Myelin. Die Erforschung der Myelinisierung, die bei der Entwicklung der Nervenzellen beim Feten und Kleinkind erfolgt, gehört deshalb zu einem Schwerpunkt an zwei Forschungsinstituten an den Universitäten Cambridge und Edinburgh, die von der britischen MS Society und einer US-amerikanischen Schwesterorganisation gesponsert werden.

Jetzt scheint den Forschern dort ein wichtiger Fortschritt gelungen zu sein. Die Gruppe um Charles ffrench-Constant hat herausgefunden, dass ein Rezeptor auf den Vorläuferzellen der Oligodendrozyten, die zu den Stammzellen des Nervensystems gehören, einen Rezeptor bilden, der für die Myelinisierung von entscheidender Bedeutung ist.

Gen-Mäusen, denen dieser RXR-Gamma-Rezeptor aus dem Erbgut entfernt wurde, bilden keine ausgereiften Oligodendrozyten, und Agonisten am RXR-Gamma-Rezeptor waren in Zellkulturen in der Lage, die Remyelinisierung von Axonen zu stimulieren. Die Bedeutung dieser Ergebnisse sollte nicht überbewertet werden, auch wenn den Patienten in den britischen Medien bereits „Hoffnungen“ gemacht wurden.

Der RXR-Gamma-Rezeptor ist allerdings Ansatzpunkt bereits eingeführter Medikamente. Zu den Agonisten gehört das von den Forschern eingesetzte 9-cis-Retinoinsäure oder Alitretinoin. Es ist in Europa seit 2000 zur lokalen Therapie des Kaposi-Sarkoms zugelassen.

Eine verwandte Substanz ist all-trans Retinoinsäure, besser bekannt als Isotretinoin, ein sehr starkes Aknemedikament. Ob die Ergebnisse der britischen Forscher klinische Studien veranlassen werden, ist unklar. Zunächst dürften tierexperimentelle Studien an einem Modell der multiplen Sklerose infrage kommen. © rme/aerzteblatt.de

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