Rösler: „Wir wollen 2011 zum Pflegejahr machen“
Dienstag, 7. Dezember 2010
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| Phillip Rösler / ddp |
Berlin – Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will im kommenden Jahr Maßnahmen gegen den Pflegemangel treffen. „Wir wollen 2011 zum Pflegejahr machen“, erklärte er heute vor Journalisten im Anschluss an ein Spitzengespräch mit Verbänden, Krankenkassen und Experten, zu dem Rösler ins Gesundheitsministerium geladen hatte.
Das Gespräch zum Thema Fachkräftemangel sei der Auftakt zu einem Pflegedialog gewesen, der im kommenden Jahr mit den Themen Angehörige, Entbürokratisierung, Demenz, Begutachter, Wohnformen und schließlich der Finanzierung fortgesetzt werde.
Einig sei man sich heute gewesen, die Altenpflege, die Krankenpflege und die Kinderkrankenpflege als ein einheitliches Berufsbild zusammenzufassen. Zudem habe Einigkeit bei Verbandsvertretern und Experten bestanden, dass die aus dem Konjunkturpaket finanzierte Umschulung von Arbeitslosen zu Pflegekräften fortgesetzt werde solle.
Dieses Thema will Rösler im Januar mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Arbeitgebervertretern besprechen. Es könne aber nicht sein, dass der Steuerzahler das finanziere und andere sich zurücklehnten, betonte Rösler.
Die Zuwanderung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland nannte Rösler einen von mehreren „Bausteinen“. Die diesbezügliche Berufsanerkennung zu regeln sei eine politische Hausaufgabe.
Der
Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung stellte sich hinter die Bemühungen um bessere Ausbildung und Bedingungen. „Den einen, den einzig richtigen Weg gibt es nicht”, erklärte Vorstand Gernot Kiefer.
„Vielmehr müssen Bund, Länder, Kommunen, Pflegekassen, Einrichtungsträger, und Berufsverbände Hand in Hand arbeiten, um neben grundsätzlichen Weichenstellungen auch Vor-Ort-Lösungen zu ermöglichen.”
Gesprochen wurde auch darüber, wie die Attraktivität des Pflegeberufes wieder zu steigern sei. „Hier muss man all die bekannten Instrumente nutzen“, sagte Rösler. Dazu gehöre die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das altersgerechte Arbeiten sowie das Auffangen von seelischen Belastungen. Durch eine „Neudefinition“ des Berufes müsse man zudem wegkommen von der Minuten-Pflege.
Der Präsident des
Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, nannte die Gespräche im Ministerium einen „Meilenstein“. Das Problem sei erkannt und alle Beteiligten würden sich nun der Herausforderung stellen, es zu lösen.
Die Opposition mahnte Rösler, nun konkrete Taten folgen zu lassen. „Wir hoffen sehr, dass das plötzliche Engagement des Ministers nicht nur davon ablenken soll, dass in den Hinterzimmern bereits an der unsolidarischen Finanzreform der Pflegeversicherung gestrickt wird”, erklärte Grünen-Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier begrüßte, dass es gesetzgeberische Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung geben solle. Noch sei der Inhalt aber nicht bekannt. Die Linke beklagte, Rösler wolle „aus dem Pflegenotstand ein Geschäft für die Versicherungen machen”. Nötig sei ein „Gesetz, das einer einfachen Gleichung folgt: gute Ausbildung plus gute Arbeit plus gute Finanzierung gleich gute Pflege.”
In den vergangenen Wochen hatten verschiedene Hochrechnungen einen massiven Pflegenotstand in den kommenden Dekaden prognostiziert. Aufgrund des demografischen Wandels würden im Jahr 2025 etwa 152.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern sowie ambulanten und (teil-)stationären Einrichtungen fehlen, erklärte gestern das Statistische Bundesamt.
Und im Oktober ging das Wirtschaftsinstitut WifOR bei Krankenschwestern, Hebammen und Pflegern für das Jahr 2030 von 351.000 unbesetzten Stellen im stationären Bereich aus.
© fos/aerzteblatt.de
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