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FDA-Gutachter empfehlen Diätpille Contrave

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Rockville –Trotz einiger Bedenken haben sich die externen Gutachter der US-Arzneibehörde FDA für die Zulassung der Diätpille Contrave® ausgesprochen. Eine Entscheidung soll Ende Januar fallen.

Die gleiche Gutachtergruppe hatte in diesem Jahr die Zulassung zweier anderer Diätpillen, nämlich Qnexa® (Wirkstoffe: Phentermin plus Topiramat) von Vivus und Lorcaserin von and Arena Pharmaceuticals, abgelehnt, die dann erwartungsgemäß auch keine Zulassung erhielten.

Mit der Ausnahme von Orlistat, das die Fettresorption aus dem Darm hemmt und eine unangenehme Steatorrhoe verursachen kann, ist derzeit kein zugelassenes Medikamente auf dem Markt, nachdem mit Sibutramin und Rimonabant kürzlich zwei Appetitzügler aus Sicherheitsgründen vom Markt genommen wurden.

Qnexa war an den Nebenwirkungen der beiden Wirkstoffe (Phentermin und Topiramat) gescheitert, obwohl das Mittel das Körpergewicht um 10 Prozent reduzieren kann. Bei Lorcaserin stand die geringe Reduktion des Körpergewichts um weniger als 5 Prozent in einem ungünstigen Verhältnis zu den Risiken, zu denen neben einem potenziellen Krebsrisiko auch die Gefahr von Herzklappenfehlern gehört.

Auch zu Contrave, das den Opioid-Antagonisten Naltrexon mit dem Antidepressivum Bupropion kombiniert, gibt es Sicherheitsbedenken. Naltrexon kann den Blutdruck, wenn auch leicht und vielleicht nur vorübergehend erhöhen, und es hat in klinischen Studien dosisabhängig das Risiko von epileptischen Anfällen erhöht – weswegen es bei Epilepsiepatienten kontraindiziert ist.

Bupropion trägt wie alle Antidepressiva in der Fachinformation den Warnhinweis einer erhöhten Suizidalität. Vor derartigen Risiken möchte man Menschen, die ein Medikament nur deshalb einnehmen, weil sie sich bei der Nahrungszufuhr nicht zurückhalten können, nicht zumuten.

Die Adipositas wird jedoch nicht mehr nur als Lifestyle-Fehler, sondern als kardiovaskuläres Risiko angesehen, und die Tatsache, dass Contrave der letzte verbliebene Appetitzügler ist, scheint die Gutachter milde gestimmt zu haben.

Sie waren mit 13 gegen 7 Stimmen der Ansicht, dass der Nutzen wohl doch die Risiken überwiege. Wobei der Nutzen nicht allzu groß ist. Denn die Gewichtsreduktion betrug in den klinischen Studien nur 4,2 Prozent nach 56 Wochen und scheiterte damit an dem von der FDA vorgegebenen Minimum von 5 Prozent.

Contrave wirkt jedoch nicht bei allen Übergewichtigen gleich gut oder gleich schlecht. Immerhin 35 Prozent der Studienteilnehmer schafften eine Gewichtsabnahme um 5 Prozent, was vielleicht doch die Tür zu einer Zulassung öffnen könnte.

In diesem Fall würde der Hersteller sicher zur Durchführung weiterer Studien verpflichtet, in denen die kardiovaskuläre Unbedenklichkeit des Medikaments belegt werden müsste. Eine solche Studie wurde von 11 gegen 8 Gutachtern bei einer Enthaltung gefordert.

Contrave würde dann den gleichen Weg gehen wie Sibutramin, das als Meridia® (in Deutschland Reductil®) zugelassen wurde und erst später in der SCOUT-Studie einer Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit (in einer Subgruppe mit erhöhtem Ausgangsrisiko) unterzogen wurde.

Bei Meridia/Reductil musste dann wegen eines in der Studie entdeckten erhöhen kardialen Risikos – in Verbindung mit einer wie bei Contrave begrenzte Wirkung – vom Markt genommen werden. Ob die FDA das Wagnis eingeht, dass sich die Geschichte mit Contrave wiederholt, wird Ende Januar feststehen, wenn die Behörde ihre Entscheidung bekannt geben will. © rme/aerzteblatt.de

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