Politik

Gesundheitsmonitor 2010: Patienten vertrauen ihren Ärzten

Freitag, 10. Dezember 2010

Berlin – Die deutschen Patienten vertrauen ihren Ärzten. Wie aus dem Gesundheitsmonitor 2010 der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, sprechen 93,7 Prozent der insgesamt knapp 1.800 befragten Patienten ihren Hausärzten, 93,3 Prozent ihren Fachärzten und 91,1 Prozent ihren Zahnärzten das Vertrauen aus.

Krankenhäusern vertrauen noch 64,7 Prozent und Psychotherapeuten 41,3 Prozent der Befragten. Das Schlusslicht bilden Alters- (22,9 Prozent) und Pflegeheime (22,2 Prozent).

Dies könne jedoch daran liegen, dass viele der Befragten keine persönlichen Erfahrungen mit diesen Einrichtungen hätten und ihr Bild von Alten- und Pflegeheimen von deren negativem Image in der Öffentlichkeit geprägt sei, sagte einer der Autoren, Jan Böcken, heute bei der Präsentation des Gesundheitsmonitors in Berlin.

Abgefragt wurde zudem das Wissen der Patienten um das deutsche Gesundheitssystem. Während vorgegebene Fragen zu Arzthonoraren und Generika überwiegend korrekt beantwortet wurden, schätzten die Befragten den Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen massiv zu hoch ein.

So waren 48 Prozent der Meinung, mit einem PSA-Test könnten innerhalb von zehn Jahren 100 von 1.000 Leben gerettet werden. 20 Prozent dieser Gruppe glaubte sogar, es seien mehr als 500. Tatsächlich sei es jedoch nur eines von 1.000, sagte Böcken. 

Auch das Wissen über Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und Patientenquittungen war laut Gesundheitsmonitor gering. Beispielsweise wussten 55 Prozent der befragten Patienten nicht, ob ein Arzt vor einer IGeL-Behandlung einen schriftlichen Vertrag abschließen muss, der Leistungen und Preise enthält. Und 62 Prozent der Befragten waren der Ansicht, ein Arzt müsse eine Patientenquittung nicht ausstellen, wenn es für ihn zu aufwendig sei.  

Ihr Wissen über Gesundheitsthemen holen sich die Befragten in erster Linie aus kostenfreien Apothekenzeitschriften, Krankenkassenzeitschriften und Tageszeitungen. Erst an vierter Stelle nannten sie den Arzt beziehungsweise das in der Arztpraxis ausliegende Material als Informationsquelle. Böcken begründete dies damit, dass sich Patienten in konkreten Fällen an ihren Ärzten wandten, nicht jedoch bei allgemeinen Fragen.

Im Falle der Früherkennungsuntersuchungen zeigte sich, dass Patienten, die sich häufig über das in der Praxis ausliegende Informationsmaterial und über Apotheken- und Krankenkassenzeitschriften informierten, den Nutzen einer Mammographie und den PSA-Test weit überschätzten. Wer sich mithilfe von Büchern und des Internets informierte, schätzte den Nutzen realistischer ein.

Auch das Wissen um ihre Patientenrechte sei bei den Befragten teilweise gering ausgeprägt, erklärte Böcken. So hätten lediglich 38 Prozent gewusst, dass der Arzt in der Regel nicht von der Wahrheit über die jeweilige Erkrankung abweichen dürfe. Und 41 Prozent seien davon ausgegangen, dass sie vom Arzt eine gezielte Lebensverkürzung verlangen könnten.

Da ein Teil der Irrtümer über Patientenrechte mit Sicherheit auf ihrer über mehrere Rechtsbereiche verstreuten Dokumentation beruhe, sei eine einheitliche und patientengerecht formulierte Rechtsgrundlage notwendig. © fos/aerzteblatt.de

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