Fetales Alkoholsyndrom: Bundesdrogenbeauftragte Dyckmans will Leitlinien
Montag, 13. Dezember 2010
 |
| dpa |
Berlin – Nach Schätzung der
Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, kommen in Deutschland jährlich 10.000 Kinder mit dem fetalen Alkoholsyndrom (FASD) zur Welt, davon rund 4.000 mit dem Vollbild.
Die Behinderung entsteht durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und stellt die häufigste nicht genetische angeborene Schädigung Neugeborener in Deutschland dar.
Mit Hilfe einheitlicher Standards bei der Diagnostik will Dyckmans unter Mitwirkung der medizinischen Fachgesellschaften aus Pädiatrie und Gynäkologie wissenschaftlich fundierte Leitlinien entwickeln lassen. Ähnlich entsprechender Modelle in Kanada und den USA sollen sie die eindeutige Identifizierung von FASD erleichtern.
Weil eine standardisierte Diagnostik in der Bundesrepublik fehlt, wird das fetale Alkoholsyndrom bei Kindern oft nicht oder erst spät erkannt: „Wenn die Ärzte heute Herzfehler sehen, denken sie in der Regel nicht an FASD“, sagte die Drogenbeauftragte am Montag in Berlin.
FASD-betroffene Kinder leiden unter vielfältigen Symptomen. Dazu zählen körperliche und geistige Beeinträchtigungen, wie Minderwuchs, Herzfehler und Gehirnschäden sowie verminderte Intelligenz, Verhaltens-, Lern- und Schlafstörungen.
Es fehle grundsätzlich nicht an den Mitteln für eine differenzierte Diagnostik, unterstrich der Präsident der
Gesellschaft für Neuropädiatrie, Florian Heinen. Diese müssten lediglich sortiert und standardisiert werden.
Leitlinien würden Verbindlichkeit schaffen. Hans-Michael Straßburg, Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, sagte zur gemeinsamen Aktion: „Aus der Sonntagspredigt wird eine eindeutige Agenda.“
Neben der Einführung verbindlicher Früherkennungsstandards müssten sich die betroffenen ärztlichen Fachrichtungen besser vernetzen, betonte Dyckmans. Straßburg unterstrich die Notwendigkeit einer solchen Mehrbereichsdiagnostik: „Erst wenn Gynäkologen, Hebammen und sozialpädiatrische Betreuer in Verbindung stehen, kann frühzeitig eine klare Diagnose gestellt werden.“ Außerdem mahnte er eine Gesetzesänderung an. So müsse die FASD-Früherkennung fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung Schwangerer sein.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sieht in der Einführung von Leitlinien gleichzeitig ein Mittel zur Prävention: „Frauen sollen bereits vor der Schwangerschaft umfassend über die Gefahren von Alkoholkonsum aufgeklärt werden.“ Gerade die Glühweinzeit sei Präventionszeit.
© TH/aerzteblatt.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.