Plasmozytom: Dreifachkombination mit Bortezomib erfolgreich
Montag, 13. Dezember 2010
Bologna – Die Erweiterung der Induktionstherapie um Bortezomib kann die Behandlung des neu diagnostizierten Plasmozytoms (Multiples Myelom) deutlich verbessern. In einer randomisierten Studie im Lancet (2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)61424-9) wurde die Remissionsrate fast verdreifacht. Es kam jedoch zu einem Anstieg der Neurotoxität.
Thalidomid plus Dexamethason (TD) ist die Standard-Erstlinientherapie der multiplen Myeloms für Patienten, bei denen eine autologe Stammzelltransplantation vorgesehen ist. Das Ziel der Induktionstherapie ist eine möglichst vollständige Remission, die allerdings selten erreicht wird.
Auch in der Phase-III-Studie des italienischen Myelom-Netzwerks GIMENA kam es im TD-Arm nur bei 27 von 238 Patienten (11 Prozent) zu einen vollständigen oder nahezu vollständigen Remission. Im zweiten Therapie-Arm erreichten mit 73 von 236 Patienten (31 Prozent) dreimal so viele Patienten dieses Therapieziel. Sie verdankten dies der Erweiterung des TD-Schemas um Bortezomib zu VTD, wie Michele Cavo vom Seràgnoli Institute of Hematology in Bologna und Mitarbeiter berichten.
Das Behandlungsschema sah vor, dass die Patienten nach einer zweifachen Stammzelltransplantation noch einmal eine Konsolidierungstherapie mit dem TD- oder VTD-Schema erhielten. Danach folgt eine Erhaltungstherapie mit Dexamathason. Nach 3 Jahren waren im TD-Arm noch 56 Prozent und im VTD-Arm noch 68 Prozent ohne erneute Tumorprogression. Ein Vorteil im Gesamtüberleben war noch nicht erkennbar. Die Studie wird jedoch noch fortgesetzt.
Hohe Remissionsraten und ein verbessertes progressionsfreies Überleben wurden laut Cavo auch bei Patienten mit nachteiligen zytogenetischen Abweichungen erzielt. Da eine periphere Neuropathie zu den wichtigsten Nebenwirkungen von Bortezomib gehört, wurde eine erhöhte Rate von Nervenstörungen erwartet.
Taubheit oder Schmerzen der Extremitäten und andere Zeichen einer Neuropathie vom Grad 3 oder 4 wurden so auch bei 10 Prozent der Patienten im VTD-Arm gegenüber nur 2 Prozent im TD-Arm registriert. Allerdings verschwanden oder besserten sich die Beschwerden bei 78 Prozent der VTD-Patienten wieder, wie die Autoren versichern.
Dennoch gehen die Bemühungen dahin, die Neurotoxizität zu mildern, berichtet der Editorialist Paul Richardson von der Harvard Medical School (Lancet 2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)62177-0).
Neben einer Senkung der Bortezomib-Dosis könnte ein Austausch von Thalidomid durch Lenalidomid hier die Verträglichkeit der Therapie verbessern. Richardson stimmt den italienischen Experten jedoch darin zu, dass die VTD-Therapie zum neuen Standard in der Erstlinientherapie werden sollte.
Dies würde eine Ausweitung der Indikation für den Proteasom-Inhibitor Bortezomib bedeuten, der seit 2004 als Monotherapie zur Behandlung des Plasmozytoms im fortgeschrittenen Stadium zugelassen ist für vorbehandelte Patienten, die sich bereits einer Stammzelltherapie unterzogen haben oder dafür nicht infrage kommen.
© rme/aerzteblatt.de
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