Der gläserne Großvater: Marseille-Kliniken starten Online-Portal
Dienstag, 14. Dezember 2010
Berlin – Die Angehörigen von Pflegeheimbewohnern der Marseille-Kliniken können sich zukünftig aus der Ferne über das Befinden ihrer Verwandten informieren. Unter www.meingesundheitsbuch.de können berechtigte Familienmitglieder ab sofort aktuelle Vitaldaten und Gesundheitsinformationen der Pflegebedürftigen einsehen.
Das Ziel sei eine „höhere Transparenz in der Pflegequalität“, sagte Ulrich Marseille, Vorstand und Namensgeber des Klinikkonzerns, bei der Vorstellung am Dienstag. Axel Regenhardt, Vorstandsmitglied der Marseille-Kliniken AG, lobte die so genannte elektronische Pflegeakte: „Was der Angehörige sonst nur vor Ort im Gespräch erfährt, ist nun jederzeit und von überall einsehbar.“ Angehörige könnten auch über weite Distanzen, beispielsweise aus dem Urlaub, Informationen über ihre Verwandten abrufen.
Bei den Daten handelt es sich nach Regenhardts Angaben um Originaldaten aus der Pflegedokumentation, die auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bei einer Regelprüfung einsieht.
Neben Körpertemperatur, Gewicht und Blutdruck der Patienten können die Medikamentenvergabe, Pflegebehandlungen oder sogar die Teilnahme an der Heim-Weihnachtsfeier online mit verfolgt werden.
Der Datenschutz sei hierbei gewährleistet, betonte Regenhardt. Die Bewohner unterschreiben demnach eine Einverständniserklärung und entbinden behandelnde Ärzte von ihrer Schweigepflicht.
Die Sicherheit der Datenübertragung im Internet geschehe auf höchstem Niveau. Eine dezentrale Serverstruktur und ein „hochmoderner Verschlüsselungsalgorithmus“ garantierten „ein größtmögliches Maß an Schutz vor Datenmissbrauch“, unterstrich der Klinik-Vorstand.
Mit dem Angebot folge man einer Forderung seitens der Politik nach mehr Transparenz und Qualität in der Pflege, sagte Marseille. Diese zu verbessern, war auch Bestandteil des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes, das der Bundestag im März 2008 verabschiedete. Darin ist festgehalten: Pflegeheime und ambulante Dienste sollen unangemeldet geprüft und die Ergebnisse veröffentlicht werden.
Vorgenommen werden die Prüfungen seit Januar 2009 vom Medizinischen Dienst. Dieser bewertet Pflegeheime nach 82 und ambulanten Pflegediensten nach 49 Einzelkriterien. Sie stammen aus den Bereichen „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“, „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“ sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“. Die Noten reichen von sehr gut bis mangelhaft. Sie werden im Internet veröffentlicht und müssen im Heim an gut sichtbarer Stelle ausgehängt werden.
Im Januar dieses Jahres hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) erste Noten für Pflegeeinrichtungen im Internet veröffentlicht. Der Notenschnitt lag bei 2,2, was der vdek-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast als gutes Ergebnis bewertete.
Die Benotung von Heimen und ambulanten Diensten steht jedoch seit ihrer Einführung in der Kritik. Pflegewissenschaftler bemängeln, die Noten seien nicht aussagekräftig. In erster Linie schneide gut ab, wer gut dokumentiere. Kritisiert wird außerdem, dass Mängel in der Pflege durch weiche Faktoren, also zum Beispiel ein angenehmes Wohnumfeld, ausgeglichen würden.
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Lieber Uli Marseille, ist das wirklich so eine gute Idee? Wer hat Ihnen denn was von Datensicherheit im Internetz vorgeschwafelt ? Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Ganze nicht eher für einen gefährlichen Schwachsinn halten soll. Qualität kann auch unvirtuell abgeliefert werden. In diesem Sinne.
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