Melbourne – Eltern können durch das Beharren auf alternativmedizinische Therapien Gesundheit und Leben ihrer Kinder gefährden. Australische Mediziner dokumentieren in den Archives of Disease in Childhood (2010; doi:10.1136/adc.2010.183152) einige tragische Zwischenfälle.
Die Australian Paediatric Surveillance Unit ist eine Initiative des australischen Ärzteverbandes, an dem sich mehr als 90 Prozent aller Kinderärzte des Landes beteiligen. Das eigentliche Ziel ist die epidemiologische Erfassung seltener Erkrankungen.
Doch immer wieder werden dem Netzwerk auch Fälle bekannt, in denen Eltern durch alternativmedizinische Therapien ihren Kindern schwere Schäden zufügen. In den Jahren 2001 bis 2003 waren es 46 Berichte über schwere Komplikationen.
Alissa Lim vom Royal Children's Hospital in Melbourne konnte 39 Fälle rekonstruieren. In 30 Fällen sieht sie einen Zusammenhang zwischen der Schädigung der Patienten und dem Einsatz alternativmedizinischen Therapieansätzen beziehungsweise der Verweigerung der von den Ärzten verordneten Medikamente.
Die Kinder litten an Verstopfungen, Blutungen, Schmerzen infolge allergischer Reaktionen, oralen Ulzerationen, epileptischen Anfällen, Erbrechen, Wachstumsstörungen, Infektionen und Unterernährung.
Vier Kinder starben, weil die Eltern medizinische Therapien verweigerten. Ein acht Monate alter unterernährter Säugling erlag einem septischen Schock, nachdem er seit dem 3. Lebensmonat wegen einer vermeintlichen Verstopfung auf eine “naturopathische” Reismilchdiät gesetzt worden war.
Ein 10 Monate alter Säugling starb im septischen Schock, nachdem er wegen eines chronischen Ekzems auf eine restriktive Diät gesetzt worden war. Ein weiteres Kind starb nach mehrfachen epileptischen Anfällen, nachdem die Eltern die antiepileptischen Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen abgesetzt und das Kind mit komplementären und alternativmedizinischen Mittelchen behandelt hatten. Das vierte Kind erlitt tödliche Blutungen, weil die Eltern die Therapie mit Gerinnungsfaktoren zugunsten komplementärmedizinischer Ansätze verweigert hatten.
Alle Todesfälle waren demnach auf die Verweigerung wirksamer und medizinisch indizierten Therapien zurückzuführen. Zwei weitere Zwischenfälle bringt Lim allerdings mit der Überdosierung von Naturheilmitteln in Verbindung. Viele Eltern würden eine natürliche Wirkung fälschlicherweise mit dem Fehlen von Nebenwirkungen gleichsetzen.
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so Einseitig und auf Schuldzuweisungen aus ist der Bericht objektiv betrachtet nicht.
Gehen wir davon aus, das die 90% aller Pädiater gewissenhaft gearbeitet haben, dann sind 46 schwere Komplikationen bei sicher einigen 100.000 Fällen über 2 Jahre in ganz Australien allerdings nicht besonders viel. Man könnte also auch sagen - ist gar nicht so schlimm, da brauchen wir uns nicht drum zu kümmern.
Der Schluss, den die australische Autorin zieht ist aber ebenfalls nicht falsch. Die behandelnden Alternativmediziner hätten wissen können, dass die Krankheit ohne Schulmedizin nicht behandelbar war. Die Forderung nach Monitoringsystemen für diesen Sektor ist darum sicher überdenkenswert.
Sie sagt nirgendwo, das die Alternativmediziner Schuld seien. Nur, dass Alternativmedizin (entgegen landläufiger Meinung) ebenfalls am Tod von Patienten anteil haben kann und man sich darum etwas überlegen sollte, um die Mortalität zu senken.
Der DÄ Autor schliesst seinen Artikel mit dem Satz "Viele Eltern würden eine natürliche Wirkung fälschlicherweise mit dem Fehlen von Nebenwirkungen gleichsetzen". Die Verweigerung schulmedizinischer Therapie resultiert aus dem Umkehrschluss, dass Nebenwirkungen schlecht sind und darum vermieden werden müssen. Ein auch in deutschen Kliniken auftretendes Arbeitshinderniss.
"komisch" ist in diesem Context wohl ein falsches oder widerliches Wort!!! Im deutschen Sprachgebrauch bedeutet "Komisch" (kommt von Komik!): lustig, albern. Was an Todesfällen albern ist, ist mir schleierhaft....
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