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Wirkstoff verhindert Eintritt von HIV in die Zellen

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Ulm – Ein deutsches Forscherteam hat ein neuartiges Virostatikum entdeckt. In einer ersten klinischen Studie in Science Translational Medicine (2010; 2: 63re3) blockierte das Peptid VIR-576 die Replikation von HI-Viren. Der Wirkstoff muss allerdings als Dauerinfusion appliziert werden, was einen breiteren Einsatz vorerst unwahrscheinlich macht.

Um sich vermehren zu können, müssen Viren menschliche Zellen infizieren. Der erste Schritt besteht in der Bindung des Virus an der Zelle und der Fusion von Virushülle und Zellmembran. Damit diese Fusion gelingt, müssen die Viren ein Peptid in die Zellmembran einbringen. Bei HIV ist dies das Glykoprotein (gp) 41.

Vor drei Jahren haben Forscher der Universität Ulm und Hannover im Blut ein kurzes Peptid entdeckt, dass dieses pg41 hemmt. Es handelt sich um ein 20 Aminosäuren kurzes Fragment des Enzyms alpha-1-Antitrypsin, das seither von der in Hannover ansässigen Firma VIRO Pharmaceuticals zu einem möglichen Medikament gegen HIV-Infektionen weiter entwickelt wird.

Das VIRus-Inhibitory Peptide VIR-576 unterscheidet sich von den beiden zugelassenen „Entry-Inhibitoren“ Enfuvirtid (Fuzeon®) und Maraviroc (Celsentri®). Diese wirken beide auf zelluläre Komponenten der Fusion, während VIR-576 direkt am Fusionspeptid des Virus bindet. Es handelt sich damit um einen neuen Wirkmechanismus.

VIR-576 könnte deshalb bei Patienten infrage kommen, die gegen andere HIV-Medikamente resistent sind. Da das Fusionspeptid gp41 nur einer geringen genetischen Veränderung unterworfen ist, sei die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildungen geringer sei als bei den bisher gebräuchlichen Medikamenten, hofft die Gruppe um Frank Kirchhoff von der Universität Ulm.

Als Kurzpeptid wird es im Serum allerdings nach kurzer Zeit inaktiviert. In der ersten klinischen Studie an 18 HIV-infizierte Personen musste VIR-576 als Dauerinfusion appliziert werden, weshalb es bei mehr als 20 zugelassenen oral verfügbaren antiretroviralen Wirkstoffen derzeit nicht konkurrenzfähig wäre.

Die Virussuppression ist in der Monotherapie auch begrenzt. Bei den Probanden mit einer Ausgangsviruslast von mehr als 10.000 Kopien/ml wurde die Viruskonzentration nur um etwa 95 Prozent reduziert.

Dennoch wäre VIR-576 sicherlich ein geeigneter Wirkstoff für eine Kombinationstherapie, da die Verträglichkeit sehr gut zu sein scheint, soweit dies nach einer Behandlungszeit von 10 Tagen überhaupt beurteilt werden kann. Der Erfolg des Wirkstoffs dürfte davon abhängen, ob es gelingt das Kurzpeptid vor der raschen enzymatischen Zerstörung im Blut zu schützen.

Da auch andere Viren Fusionsproteine verwenden, um in menschliche Zellen einzudringen, könnte VIR-576 oder ähnliche Hemmstoffe auch gegen andere gefährliche Krankheitserreger wirksam sein. Zu ihnen gehören auch die Ebola-Viren, bei denen eine Dauerinfusion als Therapie sicherlich eher akzeptiert würde als bei einer HIV-Infektion. © rme/aerzteblatt.de

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