Politik

Verbraucherschützer warnen vor Verwirrung in Apotheken

Montag, 3. Januar 2011

Berlin – Angesichts neuer Verträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen zum Jahreswechsel haben Verbraucherschützer vor Verwirrung in deutschen Apotheken gewarnt. Millionen Patienten müssten sich auf neue Medikamente einstellen, sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) der Bild-Zeitung. Dadurch kann es vor allem bei Älteren zu Dosierungsproblemen kommen.“ 

Zugleich riet der Experte von der Möglichkeit davon ab, in der Apotheke trotzdem das bisherige Medikament zu verlangen, zu bezahlen und die Quittung bei der Kasse einzureichen. „Lieber das Ersatzmedikament ausprobieren und bei Unverträglichkeit zum Arzt gehen. Der kann auf dem Rezept ankreuzen, dass das gewohnte Mittel ohne Aufpreis erstattet wird.“ Wer einfach die Quittung für das bisherige Medikament einreicht, auf den kommen in der Regel höhere Kosten zu.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) warf am Montag den Krankenkassen vor, die Patienten sehr schlecht informiert zu haben. Das Problem sei, dass nicht klar sei, wie hoch diese Mehrkosten seien, sagte ABDA-Sprecher Bellartz. Denn die Kassen müssen ihre Rabatte nicht veröffentlichen. „Das ist wie eine Blackbox”, sagte er. Den Apothekern bleibe es überlassen, die Patienten aufzuklären. Das führe zu Wartezeiten und zu Ärger bei Patienten und Apothekern.

Die Apothekerverbände fordern deshalb von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Nachbesserungen am Gesetz. „Die Regelung ist eigentlich gut gemeint”, sagte Bellartz. Der Patient erhalte Wahlfreiheit. Aber: „So ist es einfach nicht praktikabel.”

Ministerium will abwarten
Das Gesundheitsministerium sieht allerdings vorerst keinen Handlungsbedarf. „Momentan haben wir noch keine Anhaltspunkte dafür, dass das aus Sicht der Verbraucher zu ernsthaften Problemen führt”, sagte ein Sprecher. Man wolle zunächst die Entwicklung beobachten.

Seit Jahresbeginn bekommen viele Patienten statt ihrer gewohnten Präparate andere Pillen mit dem gleichen Wirkstoff. Hintergrund ist zum einen, dass einzelne Krankenkassen neue Rabattverträge abgeschlossen haben. Die Apotheker müssen Rabatt-Mittel vorrangig abgeben. Zum anderen wurden mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) am 1. Januar Ausnahmen von dieser Regel abgeschafft, das heißt, der Tausch betrifft mehr Patienten als früher.

Dafür können Patienten nun gegen Aufpreis erstmals statt des Rabatt-Mittels ein anderes Präparat mit gleichem Wirkstoff wählen. Der Haken: Sie müssen das Medikament zunächst selbst bezahlen und sich das Geld von der Kasse wiederholen. Diese erstattet nur so viel, wie das Rabattmittel gekostet hätte und darf zudem Verwaltungskosten geltend machend. Somit bleiben Patienten auf einem Teil der Kosten sitzen.  © afp/dapd/aerzteblatt.de

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