Zwei Menschen in Göttingen an Schweinegrippe gestorben
Montag, 3. Januar 2011
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| Mit dem Schweinegrippen-Virus infizierte Zellen (grün) /dpa |
Hannover – Die beginnende Grippewelle hat in Niedersachsen zwei Tote gefordert. In Göttingen starben ein dreijähriges Mädchen und ein 51 Jahre alter Mann mit Vorerkrankungen an einer Influenza-Erkrankung, wie das Sozialministerium heute in Hannover mitteilte.
Bei beiden sei der Schweinegrippe-Erreger A/H1N1 nachgewiesen worden, teilte das Sozialministerium mit. Es gebe trotz alledem aber „keinen Grund zur Panik“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Spieker.
Seit Ende Dezember 2010 würden zunehmend Influenzaviren in Niedersachsen nachgewiesen. Wenn mehr als 20 Prozent der Rachenabstriche von Patienten eine Infektion belegen, wird von einer Grippewelle gesprochen, wie der Präsident des Landesgesundheitsamts, Matthias Pulz, erklärte.
In der Mehrzahl der Untersuchungen werde das Influenzavirus A/H1N1 2009 nachgewiesen, das 2009 die Influenzapandemie (sogenannte Schweinegrippe) ausgelöst hatte. Mit dem Höhepunkt der Grippewelle sei Ende Januar oder im Februar zu rechnen.
Keine harmlose Erkrankung
Diese tragischen Fälle aus Göttingen zeigten, „dass die Influenza keine harmlose Erkrankung ist, sondern auch einen schweren Verlauf nehmen kann“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU).
Tödlich verlaufende Erkrankungen können den Angaben zufolge in jeder Influenzawelle auftreten. Auch wenn während der Pandemie im Jahr 2009 die Schweinegrippe als vergleichsweise harmlos wahrgenommen wurde, sind damals bundesweit 250 Todesfälle registriert worden. Die meisten verstorbenen Patienten hatten eine Grunderkrankung oder andere Risikofaktoren.
Den besten Schutz vor einer Infektion biete die Impfung gegen die Influenza, sagte Pulz. „Um für die kommende Grippewelle ausreichend geschützt zu sein, sollte man sich aber möglichst noch in den nächsten Tagen impfen lassen, da die volle Schutzwirkung erst etwa 14 Tage nach der Impfung einsetzt.“
Der von der Weltgesundheitsorganisation in diesem Jahr empfohlene Influenzaimpfstoff enthält drei Viruskomponenten, die in den letzen Jahren hauptsächlich nachgewiesen wurden: Influenza A/H1N1 2009 (Schweinegrippevirus), Influenza A/H3N2 und Influenza B.
Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin sagte, es sei auch für die Experten überraschend, dass die Grippewelle noch nicht wie üblich im November und Dezember ausgebrochen sei. Möglicherweise sei eine hohe Beteiligung an der Grippeschutzimpfung die Ursache dafür.
H1N1 überschätzt
Erst vor kurzem hatte der Hamburger Tropenmediziner Christian Meyer die Ansicht vertreten, dass die durch den Erreger H1N1 ausgelöste Schweinegrippe allgemein überschätzt worden sei. „Die Schweinegrippe gibt es noch, etwa in Indien; in Deutschland spielt sie aber gar keine Rolle mehr“, sagte der Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Von der Aufregung um die Schweinegrippe im vergangenen Winter hätten nur die Impfstoff-Hersteller profitiert. Die Kosten trügen die Steuerzahler.
Als wesentlich gefährlicher sei dagegen auch im Winter 2010/2011 nach wie vor die gewöhnliche Grippe einzuschätzen. Zwischen 10.000 und 12.000 Menschen stürben daran jedes Jahr allein in Deutschland, sagte Meyer. Er riet ebenfalls zu einer Impfung gegen die Grippe, die insbesondere über 60-Jährigen „dringend zu empfehlen“ sei.
© dapd/aerzteblatt.de
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