London – Eine dreimalige Substitution mit Vitamin D hat in einer randomisierten kontrollierten Studie im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(10)61889-2) die Sputumkonversion bei Patienten mit offener Lungentuberkulose deutlich verkürzt. Das Signifikanzniveau wurde allerdings nur bei Patienten mit einem bestimmten Vitamin-D-Rezeptortyp erreicht.
Die Tuberkulose tritt in den Industrieländern bevorzugt in ärmeren Bevölkerungskreisen auf. Betroffen sind häufig Migranten aus südlichen Ländern, deren Haut unter der beschränkten Sonneneinstrahlung nicht genügend Vitamin D produziert.
Von den 126 Teilnehmern der Studie der Universität London stammte jeder zweite aus Asien und jeder vierte war schwarz, die anderen waren weiß oder aus Lateinamerika. Bei vielen dürfte auch die bescheidene Wohnqualität (oder Obdachlosigkeit) dazu beigetragen haben, dass 97 Prozent der Teilnehmer zu Beginn der Therapie einen Vitamin D-Mangel hatten.
Alle waren an einer offenen Lungentuberkulose erkrankt und wurden deshalb tuberkulostatisch behandelt. Die Hälfte wurde auf eine zusätzliche Substitution mit Vitamin D (2,5 mg an den Tagen 14, 28 und 42) randomisiert.
Vitamin D wurde bereits in der prä-antibiotischen Ära zur Behandlung der Tuberkulose eingesetzt, und experimentelle Studien der letzten Jahre bescheinigen ihr eine Stärkung der „antimykobakteriellen Immunität“.
Der klinische Nutzen wurde jetzt erstmals in einer randomisierten Studie untersucht. In ihr kann die Gruppe um Adrian Martineau vom Queen Mary Hospital der Universität London zeigen, dass die Substitution die Dauer bis zur Sputumkonversion von 43,5 auf 36 Tage, also um etwa eine Woche verkürzte.
Der Unterschied war aber nicht signifikant – außer in der Gruppe mit dem Genotyp TaqI des Vitamin-D-Rezeptors. Er liegt allerdings bei weniger als 10 Prozent der Patienten vor, so dass die Ergebnisse streng genommen nur für wenige Patienten relevant wären.
Der Editorialist Reinhold Vieth von der Universität Toronto weist aber darauf hin, dass die Substitution die Vitamin-D-Konzentration lediglich in den Bereich hob, der von Experten als physiologisch wünschenswert angesehen wird. Man könnte die Therapie deshalb auch als den Versuch ansehen, Defizite der Patienten auszugleichen, was ohnehin im Rahmen einer Tuberkulose-Therapie angestrebt wird.
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