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Schmerzmittel: NSAID erhöhen Herzinfarktrisiko unterschiedlich

Mittwoch, 12. Januar 2011

Bern – Das Schmerzmittel Vioxx (Wirkstoff: Rofecoxib), das 2004 wegen eines erhöhten Herzinfarktrisikos vom Markt genommen wurde, ist nicht das einzige nichtsteroidale Antiphlogistikum (NSAID) mit kardiovaskulärem Risiko. Eine Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; doi: 10.1136/bmj.c7086) versucht einen Vergleich der einzelnen Wirkstoffe.

Die Gruppe um Peter Jüni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hat in einer Netzwerk-Analyse aus 31 Studien mit 116.429 Patienten die NSAID Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib, Etoricoxib, Rofecoxib und Lumiracoxib miteinander verglichen.

Einziger Grund für die Auswahl dieser Wirkstoffe war die Tatsache, dass sie am häufigsten und großer Teilnehmerzahl in klinischen Studien untereinander mit oder mit Placebo verglichen wurden. Das bedeutet nicht, dass die anderen NSAID sicherer oder weniger sicher sind, wie Jüni ausdrücklich betont. Es gebe zu den anderen Wirkstoffen einfach nicht genügend Daten.

Bezüglich des Herzinfarktrisikos ergibt sich die bekannte Reihenfolge: Die COX-2-Inhibitoren Rofecoxib (Rate Ratio RR 2,12) und Lumiracoxib (RR 2,00) führen die Liste an. Auch für Celecoxib (RR 1,25) ist das Risiko leicht erhöht. Bei den anderen NSAID waren die Assoziationen nicht signifikant.

Anders ist die Situation beim Schlaganfall. Hier ermitteln die Schweizer Analytiker für Ibuprofen das höchste Risiko (RR 3,36), gefolgt von Diclofenac (RR 2,86) und Lumiracoxib (RR 2,81). Bei den anderen NSAID waren die Assoziationen nicht signifikant.

Die höchste Rate Ratio auf einen kardiovaskulären Tod wurde für Etoricoxib (RR 4,07) und Diclofenac (RR 3,98) gefunden. Bei den anderen NSAID waren die Assoziationen nicht signifikant.

Bemerkenswert sind sicherlich die hohen Risiken für das teilweise rezeptfrei angebotene Diclofenac, während eine gute kardiovaskuläre Verträglichkeit von Naproxen schon in früheren Publikationen aufgefallen war. Auch in der Meta-Analyse schneidet der Wirkstoff mit am besten ab.

Naproxen ist allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes verbunden, welche den therapeutischen Nutzen von Naproxen oft schmälern, wie Jüni zu bedenken gibt. Hier gilt Diclofenac als besser verträglich.

Es dürfte den Ärzten deshalb nicht leicht fallen, die Informationen in ihrem Verordnungsverhalten zu berücksichtigen. Auf keinen Fall sollten die Patienten von heute auf morgen auf ein Schmerzmittel verzichten, dass sie bisher gut vertragen haben, meinte Peter Weissberg von der British Heart Foundation.

Er verweist darauf, dass die hohen relativen Risiken in den Studien vor dem Hintergrund eines geringen absoluten Risikos aufgetreten seien. Andererseits haben in der Praxis nicht wenige der zumeist älteren Patienten mit Gelenkbeschwerden, die mit NSAID behandelt werden, ein erhöhtes kardiales Risiko, und die neuen Daten könnten helfen, hier das geeignet Mittel zu finden, meint Weissberg. © rme/aerzteblatt.de

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