Politik

Pharmakritiker Becker-Brüser kritisiert deutsche Zulassungsbehörden

Freitag, 14. Januar 2011

Paris – Wenn es um Medikamente geht, verschließen sich in Deutschland die Türen. „Keine Industrienation geht mit der Zulassung ihrer Arzneimittel so intransparent um“, sagte Wolfgang Becker-Brüser. Der Mediziner und Apotheker gibt das Arznei-Telegramm heraus, das unabhängig und werbefrei über Medikamente informiert. „Der französische Skandal um Mediator zeigt die Lücken in der Kontrolle von Arzneimitteln“, sagte Becker-Brüser.

Erst jetzt wurde in Frankreich bekannt, dass möglicherweise Hunderte Menschen im Zusammenhang mit der Einnahme des Diabetesmedikaments Mediator gestorben sind. 2009 wurde es in Frankreich vom Markt genommen, in Deutschland war es nie zugelassen.

„Auch die deutschen Zulassungsbehörden reagieren viel zu spät bei auffälligen Risiken“, sagte Becker-Brüser. Für den Arzt liegt die Verantwortung bei den kontrollierenden Behörden auf viel zu wenig Schultern. „Diejenigen, die ein Mittel zulassen, kontrollieren es später auch. Natürlich sind sie dann blockiert, ihre eigene Entscheidung zu revidieren“, sagte der Berliner. Niemand könne sich letztendlich selbst kontrollieren.

Becker-Brüser stellt den deutschen Arzneimitteln eine drastische Diagnose: „Zwei Drittel der zugelassenen Wirkstoffe sind überflüssig oder schädlich.“ 

„Nur wenn alle Studien vollständig veröffentlicht und im Vorfeld registriert werden, auch die für das Medikament ungünstigen - endet dieser Pfusch“, sagte der Mediziner. © dapd/aerzteblatt.de

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WiseDoc/i
am Montag, 17. Januar 2011, 21:17

Lieber Gromer,

die Residenz des at ist ein Büro in besonderer Lage, richtig - aber nichts gegen die Prachtbauten von Big Pharma, in denen ich Sie vermute.

Die Kritik, die im at geäußert wird, ist eine Analyse auf dem Boden der EbM. Wenn die Konzerne hier immer Fehler nachweisen könnten, gäbe es das at schon lange nicht mehr. Es wäre lange weggeklagt. Also ist wohl das, was der von Ihnen kritisierte Herausgeber des at macht, eben gerade NICHT schlecht.

Das, was sie da zur Indikation sagen, ist meiner Meinung nach völliger Blödsinn - das würde ja heißen, dass die Ärzte alles Off-Label verordnen. Und: eine Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses ist eben nur möglich, wenn alle Daten zu einem Medikament veröffentlicht UND bewertet werden können bzw. worden sind.

Wie rechtfertigen Sie das, was da in Frankreich passiert ist?

Das hier auch im Jahr 2011 wie in Dekaden zuvor immer wieder Fälle auftreten bzw. aufgedeckt werden, in denen erst im nachhinein herauskommt, was alles an Daten unterdrückt wurde, macht klar, dass Beileibe nicht das at, sondern die Konzerne das Problem verursachen.

Outen Sie sich, kommen Sie ihrer eigenen Forderung nach:

Wer sind Sie, dass sie so eine Kritik äußern? Wer zahlt ihren Lohn?

Dr. Tod
am Montag, 17. Januar 2011, 19:48

Das arzneitelegramm ist...

ale einziger Informationsverbreiter wohl im gesamten Bundesgebiet auf diesem Sektor unabhängig und ohne Werbung finanziert. Wer kann das noch von sich behaupten ? Wes Brot ich es', des Lied ich sing', ist allen geläufig und aus der Praxis wohlbekannt.
Es wäre an der Zeit, ( dass das AT sich auf einem Friedhof verschanzen muss, ist bezeichnend ) dass diese durch genügend öffentliche Finanzmittel ausgestattet jeden Bürger seriöse, unabhängige Informationen VOR der Medikamentengabe ermöglichen, denn die Gabe setzt eine rechtswirksame Einwilligung voraus. Leider aber regiert nach Horst Seehofer die Lobby das Gesundheitswesen, somit wird das nichts werden.
Im übrigen geht jeder Angriff auf das ati fehl, solange Zulassungsunterlagen nicht öffentlich gemacht werden ( zumindest für ''Fahnder der Objektivität'' sowie Geschädigte ).
Gromer
am Montag, 17. Januar 2011, 15:01

Berufspharmakritiker schreibt kritisches

Man kann im deutschen Pharmabereich sicher vieles kritisieren. Allerdings sollte man auch hinterfragen dürfen, wer Kritik äußert.
Das AT und speziell Herrn Becker-Brüser als "unabhängig" zu bezeichnen meiner Meinung nach sehr fragwürdig. Schliesslich lebt dieses Heft davon Kritik (um jeden Preis) zu äußern. Neue Medikamente werden fast ausnahmslos erst einmal schwer kritisiert - einige sicher zurecht aber auch viele zu unrecht. Aus leidvoller Erfahrung werden auch Daten falsch interpretiert. Die platte Aussage „Zwei Drittel der zugelassenen Wirkstoffe sind überflüssig oder schädlich.“ ist jedenfalls so nicht haltbar. Es ist immer eine Frage, ob die Indikation stimmt und eine Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses.

Man sollte sich übrigens einmal die Residenz des AT ansehen:
http://www.arznei-telegramm.de/wir/wasser.php3?
5.000 News Politik

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