Medizin

US-Kardiologen fordern weniger Salz im Essen

Montag, 17. Januar 2011

Dallas – Nach dem Institute of Medicine spricht sich jetzt auch die American Heart Association für eine Salzrestriktion in der Nahrung aus. Ein Positions­papier in Circulation (2011; doi: ­10.1161/­CIR.0b013e31820d0793) fasst die Evidenz zum Einfluss von Kochsalz auf den Blutdruck zusammen.

Die meisten US-Amerikaner nehmen täglich mehr als 3 Gramm Natrium auf (entspricht etwa 6 Gramm Natriumchlorid oder Kochsalz). Nach dem Willen der US-Kardiologen sollten es nicht mehr als 1,5 Gramm pro Tag sein. Dies entspricht den Empfehlungen der DASH-Diät.

Im DASH-Sodium Trial konnte allein durch die Kochsalzrestriktion der systolische Blutdruck gesenkt werden. Und zwar bei jüngeren gesunden Erwachsenen (unter 45 Jahren) um 3,7 mm Hg und bei älteren gesunden Erwachsenen um 7,0 mm Hg.

Bei jüngeren Hypertonikern sank der systolische Blutdruck um 4,8 mm Hg und bei älteren Hypertonikern um 8,1 mm Hg (Am J Cardiol 2004; 94: 222–227). Die Salzrestriktion wirkte damit der Tendenz zu einem mit dem Alter steigenden Blutdruck entgegen. In den USA erkranken im Alter bis zu 90 Prozent aller Menschen an einer Hypertonie.

Auch die positiven Auswirkungen auf kardiovaskuläre Endpunkte sind aus Sicht der American Heart Association ausreichend belegt. Eine Verminderung der Natrium-Zufuhr um 1200 mg/die würde nach einer jüngsten Projektion pro Jahr die Zahl der Schlaganfälle um 32 bis 66.000 und die Zahl der Herzinfarkte um 54 bis 99.000 senken (NEJM 2010; 362: 590–599).

Es würden 44 bis 92.000 vorzeitige Todesfälle vermieden oder 194 bis 392.000 Lebensjahre in guter Lebensqualität (quality-adjusted life-years), schreibt die American Heart Association. Die Einsparungen für das Gesundheitssystem werden in dem Positionspapier auf 10 bis 24 Milliarden US-Dollar pro Jahr beziffert. Selbst wenn es gelänge, die Natriumzufuhr nur um 400 mg/die zu senken, hätte dies nach Einschätzung der American Heart Association substanzielle Auswirkungen.

Die Empfehlungen werden jedoch nicht leicht umzusetzen sein, denn die US-Amerikaner nehmen 77 Prozent des Natriums über Fertigprodukte oder Kantinenessen zu sich, und viele sind deshalb so sehr an stark gesalzene Speisen gewöhnt, dass sie bei den wenigen selbst zubereiteten Mahlzeiten nur ungern darauf verzichten werden.

Erfolgreich kann eine Salzrestriktion deshalb nur sein, wenn die Nahrungsmittelindustrie mitverpflichtet wird. Das Institute of Medicine (IOM), eine einflussreiche regierungsunabhängige US-Institution, hatte deshalb im letzten Jahr angeregt, die Food and Drug Administration (FDA) solle Salz zu einer gesundheitsschädlichen Substanz erklären.

Dies würde verbindliche Auflagen an die Hersteller von Fertigprodukten ermöglichen, die über die Etikettierung des Salzgehalts hinausgingen. Dies ist bisher nicht erfolgt und es bleibt abzuwarten, ob sich hieran etwas ändern wird.

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass sich auch die deutsche Bevölkerung (und hier vor allem der jüngere männliche Teil) zu salzhaltig ernährt. Nach der Nationalen Verzehrstudie II liegt der Kochsalzverbrauch bei Männern bei 8,17 g/die und bei Frauen bei 6,04 g/die, bei jüngeren Menschen auch deutlich darüber. © rme/aerzteblatt.de

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