Zerebrale Sauerstoffsättigung erlaubt Vorhersage von Herz-OP-Risiken
Mittwoch, 19. Januar 2011
Lübeck – Mit der Bestimmung der zerebralen Sauerstoffsättigung können Ärzte Operationsrisiken in der Herzchirurgie schnell, einfach und bei Patienten mit hohem Risiko verlässlicher als mit den bisher üblichen Methoden vorhersagen. Dies geht aus einer Studie der Universitätskliniken für Anästhesie und Herzchirurgie in Lübeck hervor, die in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift Anesthesiology veröffentlicht wurde (10.1097/ALN.0b013e3181fef34e).
Die Studie basiert auf der Auswertung der Behandlungsverläufe von mehr als Tausend Herzoperationen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Hintergrund der Studie war, dass die gegenwärtig zur präoperativen Risikoeinschätzung herzchirurgischer Patienten eingesetzten Instrumente nach Angaben der Ärzte nicht ausreichen.
Ziel war festzustellen, ob die präoperative ScO2 eine bessere Risikostratifizierung zu anderen Instrumenten wie dem sogenannten Euroscore ermöglicht.
Von den Patienten, die 2008 in der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie operiert wurden, konnten 1.178 in die Studie eingeschlossen werden. Am Vorabend der Operation beziehungsweise bei Notfallpatienten unmittelbar präoperativ wurde die ScO2 ohne und mit zusätzlicher Sauerstoffgabe gemessen.
Parallel wurden pulsoxymetrisch die arterielle Sauerstoffsättigung (ScO2) bestimmt sowie Vitalparameter, demografische Daten, Risikofaktoren, Blutwerte und die aktuelle Medikation erhoben. Der intra- und postoperative Verlauf wurde anhand der Qualitätssicherungsdatei der Klinik für Herzchirurgie erfasst.
In der Gesamtpopulation war die ScO2 der Diskriminierungsfähigkeit des Euroscores nach Aussage der Ärzte unterlegen, in der Hochrisikogruppe war die ScO2 jedoch signifikant besser geeignet das operative Risiko vorherzusagen als der Euroscore.
Diese Ergebnisse zeigten, dass die Bestimmung der präoperativen ScO2 geeignet sei, das perioperative Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko herzchirurgischer Patienten abzubilden. „Die Beobachtungen in der Hochrisikogruppe legen darüber hinaus eine besondere Relevanz der ScO2 für die Prognose von Hochrisikopatienten nahe“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
Aufgrund der relativ geringen Fallzahl in dieser Gruppe müssen die letztgenannten Ergebnisse jedoch mit Vorbehalt betrachtet werden und bedürften prospektiver Validierung in einer größeren Studienpopulation. © hil/aerzteblatt.de
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