Spinosad: Ökogarten-Gift gegen Haarläuse
Mittwoch, 19. Januar 2011
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| dpa |
Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat das Insektizid Spinosad zur topischen Behandlung von Kopfläusen bei Kindern ab 4 Jahren und Erwachsenen zugelassen. Der Hersteller verspricht eine rasche Abtötung der Insekten nach zehnminütiger Anwendung ohne lästiges Herauskämmen der Nissen.
Spinosad ist eine Mischung aus den Metaboliten Spinosyn A und Spinosyn D, die das Bakterium Saccharopolyspora spinosa produziert. Diesen seltenen Aktinomyzeten sollen Forscher während eines Urlaubsaufenthaltes in der Karibik im Erdreich einer verlassenen Destillerie entdeckt haben – wenn eine von Wikipedia kolportierte Meldung zutrifft.
Seine beiden Insektizide entstehen heute in den Biotanks der Hersteller bei der kontrollierten Fermentierung des Bakteriums, und sie erfreuen sich bei Öko-Gärtnern einer gewissen Beliebtheit zur Bekämpfung von Schmetterlingen, Fliegen und Käfern. Die European Medical Agency hat es kürzlich positiv bewertet – zur Prävention von Flöhen bei Hunden.
Wie Schmetterlinge, Fliegen, Käfer und Flöhe gehören auch die lästigen Läuse, auch wenn sie keine Flügel haben, zu den Insekten. Und Spinosad scheint ein effektives und sicheres Mittel zur Beseitigung dieser harmlosen, aber lästigen Mitbewohner zu sein.
Das zeigen jedenfalls die Ergebnisse der beiden Studien, die der Hersteller für die US-Zulassung durchführte und die vor einiger Zeit in Pediatrics (2009; 124: e389-e395) publiziert wurden. Dort wendeten 552 Personen das Mittel 10 Minuten lang an.
Wenn nach einer Woche noch Läuse zu sehen waren, erfolgte eine zweite Behandlung. Danach waren insgesamt 86 Prozent der Teilnehmer läusefrei, während die Erfolgsrate in der Vergleichsgruppe, die Permethrin anwendete, nur bei 44 Prozent lag.
Die meisten Teilnehmer (64 Prozent in Studie 1 und 86 Prozent in Studie 2) benötigten nur eine Behandlung mit Spinosad, während bei Permethrin zwei Behandlungsrunden die Regel waren (60 und 65 Prozent). Der Hersteller bewirbt sein Präparat deshalb mit der verlockenden Aussicht, dass das mühsame Herausstreichen der Nissen nicht notwendig sei.
Für die Zulassung dürfte von Bedeutung gewesen sein, dass das Insektizid, das trotz seines Öko-Flairs ein Nervengift ist (Angriffspunkt sind die nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren), den infestierten Personen nicht schadet. Die FDA hält das Produkt für unbedenklich.
Es soll nur lokale Nebenwirkungen haben wie Hautrötungen und Irritationen der Augen auslösen. Obwohl in den Studien Kinder im Alter ab 6 Monate behandelt wurden, hat die FDA die Altersgrenze auf 4 Jahre festgelegt, weil das Präparat auch Benzylalkohol enthält, das bei kleineren Kindern auch bei systemischer Anwendung schwere Nebenwirkung bis hin zum Tod ausgelöst habe, so die FDA. Ob der Hersteller in Europa eine Zulassung zur Läusebehandlung beim Menschen anstrebt, ist nicht bekannt.
© rme/aerzteblatt.de
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