Politik

Jurist kritisiert wissenschaftliche Stellungnahme zu PID

Donnerstag, 20. Januar 2011

München – Der frühere Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Dietmar Willoweit, hat die Stellungnahme der Wissenschaftsakademien für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) grundsätzlich kritisiert. Die Wissenschaftsakademien sollten Fakten liefern und Alternativen für politische Entscheidungen vorstellen. Sie hätten aber kein Mandat, ethische oder politische Empfehlungen abzugeben, schreibt Willoweit heute in der Süddeutschen Zeitung

Der Jurist und Historiker, der von 2006 bis 2010 Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war, bestritt zudem, dass die Stellungnahme repräsentativ für die deutsche Wissenschaft sei.

Das rund 30-seitige Papier wurde federführend von der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ sowie von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erarbeitet und von einem Gremium von 13 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen verfasst. 

Willoweit sagte, es handele sich nicht um die Stellungnahme der Akademien, sondern um die persönliche Meinung einer Gruppe angesehener Wissenschaftler. Es wäre aber ein Leichtes gewesen, Anhänger mit einer abweichenden oder gar entgegengesetzten Position zu finden.

Der Historiker verwies darauf, dass auch mehrere Akademiepräsidenten die Empfehlungen abgelehnt hätten. Damit werde deutlich: „Über Empfehlungen ethischen und politischen Charakters ist ein Konsens kraft wissenschaftlicher Erkenntnis nicht zu erzielen.“

Grundsätzlich bezeichnete es Willoweit als richtig, der deutschen Wissenschaft in Gestalt einer Nationalakademie ein öffentliches Forum zu geben. Es sei aber ein grundlegender Fehler, diese Aufgabe einer einzelnen Akademie, nämlich der Leopoldina, zu übertragen.

„Organisatorisch bedarf es für die Erarbeitung fundierter Stellungnahmen einer ausgewogenen Repräsentanz aller Wissenschaften in einem breiter aufgestellten Gremium“, schreibt er. Für die Glaubwürdigkeit der Wissenschaften sei es entscheidend, dass sie sich auf die Vermittlung gesicherten Wissens und die Beschreibung der sich bietenden Handlungsalternativen beschränkten. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

06.06.16
Schweizer für Zulassung von Präimplantations­diagnostik
Bern – Die Schweizer haben sich bei einem Referendum für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) entschieden. Laut aktuellen Hochrechnungen stimmten am Sonntag 61 Prozent der Wähler dafür,......
02.06.16
Bern – Am Sonntag stimmen die Schweizer erneut über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres geht es darum, ob unter bestimmten Bedingungen Gentests......
01.09.15
Bern - Ein überparteiliches Komitee in der Schweiz strebt ein Referendum gegen das neue Fortpflanzungsmedizingesetz an. Ziel sei es, eine „flächendeckende willkürliche“ Anwendung der sogenannten......
14.07.15
Stuttgart – Nach jahrelangen Diskussionen und Gesetzgebungsverfahren ist der Weg für die ethisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland,......
14.06.15
Zürich – Hochrechnungen zufolge haben die Schweizer für die Freigabe der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) gestimmt. Diese Tests an Embryonen könnten damit künftig in großem Umfang erlaubt......
09.02.15
München – Auch in Bayern können voraussichtlich in einigen Monaten Paare nach einer künstlichen Befruchtung unter bestimmten Bedingungen eine Präimplantationsdiagnostik (PID) vornehmen lassen. Seit......
09.09.14
Bern – Genetische Untersuchungen an im Reagenzglas erzeugten Embryonen sollen in der Schweiz künftig in großem Umfang erlaubt werden. Bislang waren sich die beiden Parlamentskammern – National- und......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige