Erfolgreiche Kehlkopf-Transplantation
Freitag, 21. Januar 2011
Sacramento – Einem internationalen Ärzteteam ist an einer Klinik in Kalifornien eine der komplexesten jemals durchgeführten Operationen gelungen. In einem 18-stündigen Eingriff transplantierten sie einer Frau den gesamten Kehlkopf mit den angrenzenden Anteilen der Trachea und der kompletten Schilddrüse.
Die 52-Jährige kann seit mehr als zehn Jahre erstmals wieder ihre eigene Stimme benutzen. Schluckakt und Atmung haben sich drei Monate nach dem Eingriff allerdings noch nicht vollständig erholt.
Die Diabetikerin hatte sich bei einer Nierentransplantation im Jahr 1998 wiederholt den trachealen Tubus gezogen und dabei den Kehlkopf so sehr beschädigt, dass sie tracheotomiert werden musste. Seither atmet sie über das Tracheostoma.
Sprechen kann sie nur mit Hilfe eines elektronischen Tongenerators. Mangels Ventilation des Nasenraumes waren auch Geschmack und Riechsinn stark eingeschränkt. Für die Transplantation wurde sie ausgewählt, weil die Ärzte keine Möglichkeit zur Rekonstruktion des Kehlkopfes sahen und sie nach einer kombinierten Nieren-Pankreas-Transplantation ohnehin immunsupprimiert werden musste.
Die Operation, die die Ärzte in einer zweijährigen Vorbereitungsphase an Tieren und menschlichen Leichen geprobt hatten, wurde Mitte Oktober 2010 von einem Team aus mehr als zwei Dutzend Ärzten, Schwestern und Technikern um Peter Belafsky (Studienleiter) und Gregory Farwell (1. Chirurg) am Davis Medical Center in Sacramento durchgeführt.
Beteiligt waren auch zwei Kollegen aus London (Martin Birchall, ein Laryngologe vom University College London) und Stockholm (Paolo Macchiarini, ein Experte für regenerative Chirurgie vom Karolinska Institut).
Im ersten Schritt wurde der Spenderin, einem Unfallopfer, der gesamte Larynx und die Schilddrüse zusammen mit 6 Zentimetern der Trachea explantiert. Die Schilddrüse wurde wegen der engen anatomischen Verflechtungen vor allem im Bereich der Blutgefäße mit dem Larynx in die Transplantation einbezogen. Allein die Explantation dauerte sechs Stunden.
Nachdem die Mediziner die Durchgängigkeit der Blutgefäße mit einer Kochsalzlösung geprüft hatten, wurde das Transplantat zunächst auf Eis gelegt. In einem benachbarten Raum entfernte das Team den Larynx der Patientin und präparierte den Situs zur Aufnahme des Transplantates.
Dieses wurde mit insgesamt fünf Nerven, drei Arterien und zwei Vene der Patientin verbunden. Diese Tätigkeit wurde von mehreren Chirurgen unter Operationsmikroskopen zu beiden Seiten der Patientin durchgeführt. Insgesamt dauerte die Operation 18 Stunden.
Dreizehn Tage nach der Operation sprach die Patientin die ersten Worte. Die Stimme sei schwach und rauh, aber verständlich gewesen, berichtet die Klinik. Die Stimme hatte übrigens die frühere Klangfarbe, die nicht von der Architektur des Kehlkopfes, sondern von der Anatomie des Resonanzraums in Mund und Rachen abhängt sowie von den Bewegungen von Zunge und Lippe.
Die Patientin ist noch tracheotomiert und sie wird weiterhin über eine Sonde ernährt. Nach Angaben der Mediziner muss die Patientin den Schluckakt erst wieder erlernen. Auch die Reinnervierung des Kehlkopfes sei noch nicht abschlossen.
Muskelfunktion und Sensibilität würden sich aber langsam erholen. Die Patientin trainiere täglich und mache Fortschritte, berichten die Ärzte. Sie hoffen, die Magensonde demnächst entfernen zu können. Mittelfristig soll auch das Tracheostoma verschlossen werden. Die Patientin könne bereits durch den Mund ausatmen, das Einatmen bereite ihr allerdings noch Schwierigkeiten.
Es handelt sich um die zweite Kehlkopftransplantation. Der erste derartige Eingriff war 1998 an der Cleveland Clinic durchgeführt worden. Damals war ein 40-jähriger Mann operiert worden. Er soll die Ärzte bereits am dritten postoperativen Tag mit “Hello” begrüßt haben.
© rme/aerzteblatt.de
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