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Migräne und Kopfschmerzen ohne kognitive Folgen

Freitag, 21. Januar 2011

Paris – Die Sorge, dass eine Migräne oder andere Kopfschmerzen langfristig die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen, scheint unbegründet zu sein. Eine Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: c7357) bestätigt allerdings, dass es zu Beschädigungen der weißen Hirnsubstanz kommen kann.

Hyperintensitäten der weißen Hirnsubstanz sind in der Kernspintomografie ein Hinweis auf eine ischämische Schädigung. Diese „weißen Flecken“ werden infolge der Fortschritte der Kernspintomografie immer häufiger auch bei Personen entdeckt, bei denen keine Hinweise auf einen Schlaganfall oder sonstige Hirnschädigungen vorliegen.

Überproportional häufig werden sie bei Migräne-Patienten beobachtet. Da die Migräne in jungem Lebensalter auftritt und die Schmerzattacken sich mehr oder weniger häufig wiederholen, bestand die Befürchtung, dass die Patienten im Alter kognitive Störungen entwickeln.

Dies können Tobias Kurth und Mitarbeiter vom französischen Forschungsverbund INSERM jetzt nicht bestätigen. Ihre Tests an den Teilnehmern der Epidemiology of Vascular Ageing-Studie, einer Kohorte von 780 Personen im Alter von 69 Jahren, zeigt, dass eine Migräne oder andere heftige Kopfschmerzen in der Anamnese nicht mit schlechteren Ergebnissen in kognitiven Tests einhergehen.
 

Die Studie zeigt aber erneut, dass Menschen mit einer Migräne in der Vorgeschichte häufiger Hyperintensitäten der weißen Hirnsubstanz aufweisen, was übrigens auch auf Patienten mit starken Kopfschmerzen anderer Genese zutraf. Kopfschmerzpatienten hatten zweifach häufiger ausgeprägte Hyperintensitäten der weißen Hirnsubstanz (oberstes Drittel).

Besonders deutlich war die Assoziation bei Patienten, die unter einer Migräne mit Aura gelitten hatten. Die Autoren ermittelten eine Odds Ratio von 12,4. Sie lässt trotz eines sehr weiten 95-Prozent-Konfidenzintervalls (1,6-99,4) kaum Zweifel daran, dass es sich hierbei um eine besonders schädliche Form der Migräne handelt.

Frühere Studien hatten die Migräne mit Aura bereits mit einer erhöhten Rate von Schlaganfällen in Verbindung gebracht. Die zerebralen Ischämien werden als Folge der Gefäßkontraktion interpretiert, zu der es während der Migräneattacken kommt.

Schlaganfälle sind allerdings insgesamt ein seltenes Ereignis bei Migräneuren (die Erkrankung tritt ja meist bei jüngere Menschen auf) und die Gefahr, dass sich viele sogenannte stumme Infarkte über die Jahre zu einer signifikanten Verschlechterung der kognitiven Leistungen kumulieren, scheint aufgrund der jetzigen Studie nicht zu bestehen.

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© rme/aerzteblatt.de

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