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Histamin möglicherweise Therapieziel bei multipler Sklerose

Mittwoch, 2. Februar 2011

Mailand – Neben seiner zentralen Rolle bei Allergien ist das Gewebshormon und der Neurotransmitter Histamin möglicherweise auch an der Pathogenese der multiplen Sklerose (MS) beteiligt.

Damit könnte es als ein neues Therapieziel der neurodegenerativen Erkrankung dienen. Das haben Forscher des Instituts für Neurologie Carlo Besta in Mailand herausgefunden und eine entsprechende Studie im Journal of Leukocyte Biology (doi: 10.1189/jlb.0910486) publiziert.

Histamin ist dafür bekannt, dass es bei allergischen Hypersensitivitätsreaktionen unter anderem von Mastzellen ausgeschüttet wird und Blutgefäße erweitert, bevor es diese für Abwehrzellen des Immunsystems durchlässig macht. Damit ist das Hormon für wichtige Abwehrreaktionen des Körpers verantwortlich. Zusätzlich sorgt es im Magen-Darm-Trakt für Motilität und steigert die Schlagkraft am Herzen.

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Zu seinen Wirkungen am Zentralnervensystem war bisher bekannt, dass es den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst, Erbrechen auslösen kann sowie möglicherweise auch an diversen anderen Kontroll-Mechanismen beteiligt ist.

Für ihre Hypothese vermuteten die Autoren unter der Leitung von Rosetta Pedotti eine zentrale Rolle des Histamins bei der Zytokin-vermittelten Entmarkung der Nervenzellen. Dazu analysierten sie die direkten Effekte des Histamins und zwei ähnlicher Botenstoffe, die allesamt eine spezifische Bindung mit den Histamin-Rezeptoren 1 und 2 eingehen, am Mausmodell der MS. Sie generierten MS-auslösende T-Lymphozyten, um sie danach in vitro mit den Hormonen zu konfrontieren.

Um den Erfolg dieser Behandlung zu objektivieren, führten sie anschließend T-Zell-Funktionsanalysen durch, prüften die Zytokin-Produktion und die Reaktion der Blutgefäße. Es stellte sich heraus, dass das Histamin die Proliferation von autoreaktiven T-Lymphozyten und des Zytokins Interferon-Gamma in den Myelinscheiden abschwächt.

Diese Zellen sind hauptverantwortlich für die Entzündungsprozesse und die Demyelinisierung. Zusätzlich reduzierte das Histamin die Fähigkeit der autoreaktiven T-Zellen, an den Blutgefäßen immunmodulatorisch zu wirken.

Diese Erkenntnisse seien aus mehreren Gründen interessant, so die Autoren: Zunächst setzten sie die eigentlich sehr verschiedenen Vorgänge der Immunantwort, nämlich Allergie und Autoimmunprozess, in Beziehung zueinander. Damit könnten sie in Zukunft möglicherweise als neue Therapieziele gelten, nicht nur für die MS, sondern möglicherweise auch gegen andere Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems. © hil/aerzteblatt.de

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Gromer
am Mittwoch, 2. Februar 2011, 23:33

Versuchsbedingungen

Eine interessante Entdeckung!
Leider ist das Paper nicht frei zugänglich und bei in vitro Daten muss man immer die eingesetzten Konzentrationen hinterfragen. Sind diese (patho)physiologisch erreichbar?
Leider kann ich Mangels Zugang dies nicht beurteilen - Lang lebe Open Access!

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