6.770 News Politik

Politik

Bundesregierung beschließt strengere Regeln für Dioxinkontrollen

Mittwoch, 2. Februar 2011

Berlin – Als Konsequenz aus dem jüngsten Dioxinskandal hat die Bundesregierung strengere Regeln für Dioxinkontrollen ins Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) aufgenommen. So soll es künftig eine Meldepflicht für private Labore bei bedenklichen Messergebnissen sowie eine vierteljährliche bundesweite Auswertung von Dioxin-Daten geben, wie das Kabinett am Mittwoch in Berlin beschloss. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.

Private Labore sollen künftig verpflichtet sein, auffällige Messergebnisse zu gesundheitlich nicht erwünschten Stoffen bei Futter- und Lebensmitteln automatisch den zuständigen Behörden zu melden.

Dies betrifft insbesondere die Ergebnisse der Untersuchungen, die Hersteller zur eigenen Qualitätskontrolle in privaten Laboren durchführen lassen. Auch die Unternehmen der Branche werden verpflichtet, sämtliche Untersuchungsergebnisse bezüglich Dioxinen und ähnlichen Problemstoffen an die Behörden zu melden.

Mit der Novelle des LFGB soll zudem ein bundesweites Dioxin-Frühwarnsystem mit vierteljährlichen Lageberichten eingeführt werden. Seit Jahren erheben die Landesbehörden Daten zu Gehalten an Dioxinen und dioxinähnlichen Verbindungen in Lebens- und Futtermitteln.

Diese Informationen sollen künftig beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin zusammenfließen. Neu ist auch, dass die Ergebnisse aus den Eigenkontrollen der Unternehmen dort gespeichert und ausgewertet werden sollen.

Die gesammelten Daten sollen alle drei Monate ausgewertet und als Quartalsbericht zusammengestellt werden. So könnten die Behörden eventuelle Probleme früher erkennen und schneller Gegenmaßnahmen einleiten, erklärte das Bundesverbraucherministerium.

Als nächste Schritte will das Ministerium die Zulassung von Futtermittelunternehmen neu regeln und die Produktion von Futter- und Industriefetten per Rechtsverordnung trennen. Ministerin Ilse Aigner (CSU) strebt zudem auf EU-Ebene eine verbindliche Positivliste mit erlaubten Futter-Zutaten an.

Mit einer Novellierung des Verbraucherinformationsgesetzes sollen außerdem die Behörden demnach noch in diesem Jahr verpflichtet werden, bei der amtlichen Lebensmittelüberwachung aufgefallene überhöhte Grenzwerte umgehend zu veröffentlichen.

  

Anzeige

Noch in diesem Monat komme die Frage nach härteren Strafen für Futtermittelpanscher auf den Prüfstand, kündigte das Agrarministerium an.  Aigner und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) werden dies demnach Mitte Februar mit Rechtsexperten erörtern.  


„Wir müssen auch über härtere Strafen reden“, sagte Aigner dem Hamburger Abendblatt vom Mittwoch. Der Strafrahmen im Lebensmittel- und Futtermittelbereich habe sich seit 1974 nicht verändert - sehr wohl jedoch die globalen Warenströme. „Heute kommen verschiedenste Futter- und Lebensmittel aus allen Teilen der Welt zu uns. Wenn nur ein Bestandteil nicht einwandfrei ist, kann das eine große Zahl von Verbrauchern und Landwirten treffen.“

  

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte den Kabinettsbeschluss als „Alibi-Maßnahmen“. Futterhersteller müssten verpflichtet werden, jede Lieferung jeder Zutat auf Dioxin zu testen und bei zu hohen Werten nachweislich zu entsorgen, forderte Foodwatch. „Reine Meldepflichten ohne eine Pflicht, überhaupt Dioxin-Tests durchzuführen, sind wirkungslos.“afp © afp/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.770 News Politik

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

humanus
am Samstag, 5. Februar 2011, 01:02

Geld ist geil !

Foodwatch hat recht. Die Maßnahmen gehen nicht weit genug. Es müssen schon die Rohstoffe getestet werden und nicht erst das Endprodukt.
So kann kontrolliert werden, ob nicht vorsätzlich Gifte bis an die gesetzliche Höchstgrenzen reingepanscht wird.

Eine Mitschuld haben da auch die Handelsketten. Da heisst es z.B.:
Wir brauchen x Tonnen Produkt "A". Wir zahlen X€. Lieferung: dann&dann.
Punkt.

Die Preise können nicht vom Lieferant nachverhandelt werden.
Wer nicht mithalten kann, ist draussen.

Da darf man sich nicht wundern, dass man den letzten Dreck in der Auslage findet.
Der Kunde ist der Dumme, egal ob er jeden Cent umdrehen muss oder Geiz-ist-geil_gesteuert ist.
MedConsult
am Donnerstag, 3. Februar 2011, 07:46

Ohne wesentliche Wirkung

Es ist größtenteils unerheblich, was eine Bundesregierung beschließt. Immer wird es kriminelle Energien geben, die Verordnungen, Verbote etc. zu umgehen wissen. Bei Dioxin ganz aktuelle Aussagen; Dann werden die Proben im Ausland passend fingiert! Super!

Nur mache dem breiten Volke mal jemand klar, es solle sich Bitteschön gesundheitsbewusster verhalten. Was die Ernährung betrifft, so herrscht doch weitestgehend Unwissenheit, aber auch Ignoranz, frei nach dem Motto; So schlimm wird es schon nicht sein, wenn man danach geht, darf man ja gar nix mehr essen.

Die Lebensmittelmultis bieten überwiegend ernährungsphysiologischen Müll an und verdienen sich dabei "dumm und dämlich. "Dumm und dämlich", weil sie sich wohl nach wie vor die Naivität ganzer Völker straffrei ausnutzen dürfen und das auch ungeniert tun.

Es beginnt bei den Saatgutherstellern, geht weiter in der Agrarwirtschaft hin zu den Nahrungsmittelproduzenten und findet schließlich die Krönung im Handel.

Nicht von ungefähr finden sich unter den Reichsten der Reichen ( Albrecht, Oetker und Co. ) Unternehmer dieser Industrien. Wie skrupellos da mitunter "gehandelt" wird, wurde ja vor einiger Zeit einmal deutlich, als herauskam, dass die Handelskette "Real" ( Metro-Konzern) abgelaufene Frischfleischprodukte schlichtweg "umdeklariert" mit neuem Verfallsdatum wieder in den Umlauf brachte.

Obwohl bundesweit in den Medien vermeldet, sollte man doch annehmen, dass dieses Unternehmen drastische Umsatzeinbußen hinnehmen müsse. Stattdessen passierte .... NIX! Das Volk kauft dort weiterhin treu ein.

In regelmäßigen Abständen vernehmen wir übelste Skandale ( BSE und Co.) ( Davon ist auch die Pharmaindustrie nicht ausgenommen ) und doch findet kein Umdenken statt.

Deine Nahrung sei deine Medizin ...

Von dieser weisen Erkenntnis sind wir meilenweit entfernt.

Die "Gretchenfrage"? - Wer hat denn überhaupt ein Interesse an einer überwiegend gesunden Bevölkerung?

Lassen Sie es sich auch in Zukunft schmecken - Guten Appetit!
Gromer
am Donnerstag, 3. Februar 2011, 00:17

Solange Geiz geil ist ...

... wird sich nichts ändern.
Fassen wir uns selbst an die Nase - was billig ist wird billig produziert. Viele der Maßnahmen werden dazu führen, das mehr "Endprodukt" - spricht Lebensmittel aus dem Ausland mit noch weniger Kontrollen bei uns in den Regalen landen, weil die zusätzlichen Test über die gesamte Produktionskette Waren zwangsläufig verteuern.
Man verstehe mich nicht falsch - Kontrollen sind wichtig und gut, aber wir müssen wieder zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln kommen. Qualität und Verantwortung muss sich wieder für beide Seiten lohnen. Leider ist das für einen erheblichen Teil unserer Bev. schon aus finanziellen Gründen ein echtes Problem ...
Nur mehr Kontrollen zu fordern beseitigt einige Symptome, nicht die Ursache des Übels.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in