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Avastin-Komplika­tionen bei der Chemotherapie

Mittwoch, 2. Februar 2011

Stony Brook – Der Angiogenese-Hemmer Avastin® (Wirkstoff: Bevacizumab) steigert die Gefahr von tödlichen Nebenwirkungen einer Krebschemotherapie. Dies kam in einer Meta-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 487-494)heraus. Ein Editorialist rätselt darüber, ob die Toxizität erklärt, warum Avastin bei vielen Malignomen zwar das rezidivfreie-, aber nicht das Gesamtüberleben verlängert.

Bevacizumab bindet den Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor), mit dem Tumore die Bildung neuer Blutgefäße stimulieren, um ihm ihren wachstumsbedingt vermehrten Energiebedarf zu decken. VEGF greift aber auch in physiologische Funktionen ein, was eine Reihe von Nebenwirkungen von Bevacizumab erklärt.

Dazu gehören Wundheilungsstörungen, Blutungen, thromboembolische Ereignisse und (weniger plausibel zu erklären) eine Neutropenie. Krebspatienten dürften diese Risiken in Kauf nehmen, wenn Avastin ihnen das Leben retten würde. Dies ist allerdings bei metastasierten Erkrankungen nicht der Fall.

Hier müssen Nutzen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Avastin blieb in den randomisierten Studien hinter den Erwartungen vieler Onkologen zurück. Obwohl Bevacizumab in den ersten klinischen Studien die Tumoren deutlich verkleinerte, waren die Auswirkungen auf das Gesamtüberleben gering.

Die besten Ergebnisse wurden noch beim Darmkrebs (Überleben: plus 4,7 Monate) erzielt. Beim Nierenzellkarzinom und beim nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom waren die Vorteile schon geringer und beim Mammakarzinom wird das Gesamtüberleben gegenüber einer alleinigen Chemotherapie gar nicht verlängert, obwohl eine gute Wirkung auf den Tumor erkennbar ist.

Eine Erklärung könnten tödliche Nebenwirkungen (fatal adverse event, FAE) sein, deren Häufigkeit Vishal Ranpura vom Stony Brook University Medical Center jetzt in einer Meta-Analyse neu berechnet hat. Grundlage waren 16 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 10.217 Patienten, die eine Chemotherapie mit oder ohne Avastin erhalten hatten.

Ergebnis: Avastin steigert die Rate von FAE von 1,7 auf 2,5 Prozent. Das Risiko war bei allen Krebserkrankungen gleich, es hängt aber von der Art der Chemotherapie ab. Bei Taxanen stieg die Rate der FAE von 1,0 auf 3,3 Prozent an, bei anderen Chemotherapeutika wurde kein signifikanter Anstieg gefunden.

Die häufigsten FAE waren Blutungen (23,5 Prozent), Neutropenien mit tödlichen Infektionen (12,2 Prozent), gastrointestinale Perforationen (7,1 Prozent), Lungenembolien (5,1 Prozent) und zerebrovaskuläre Ereignisse (5,1 Prozent).

 

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Der Anstieg der FAE stellt den derzeitigen Einsatz bei metastasierenden Erkrankungen nicht infrage. Ausschlaggebend ist hier die Aussicht auf eine Lebenszeitverlängerung. Anders ist die Situation beim angestrebten Einsatz von Avastin in der adjuvanten Chemotherapie, wo bisher in Studien kein Nutzen (gynäkologische Tumoren) oder eher eine negative Wirkung (Darmkrebs) aufgetreten sind.

Hier müsste Bevacizumab vermutlich längerfristig eingesetzt werden, wie Daniel Hayes vom University of Michigan Comprehensive Cancer Center in Ann Arbor meint (JAMA 2011; 305: 506-508) und damit würden auch die Behandlungsrisiken steigen. © rme/aerzteblatt.de

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