Medizin

Großbritannien: Mehr Geschlechts­krankheiten seit der „Pille danach“

Mittwoch, 2. Februar 2011

Nottingham – Der Versuch der britischen Regierung, die Rate von Teenagerschwangerschaften durch die kostenfreie Abgabe von Notfallkontrazeptiva zu senken, war nicht erfolgreich. Nach einer Studie im Journal of Health Economics (2011; doi: 10.1016/j.jhealeco.2010.12.004) kam es sogar zu einem Anstieg der sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI), was auf einen zunehmenden Verzicht auf Kondome hinweist.

Großbritannien hat die höchste Rate von Teenagerschwangerschaften. Wenn Zahlen der BBC zutreffen, dann ist die Inzidenz doppelt so hoch wie in Deutschland, dreimal so hoch wie in Frankreich und sechsmal so hoch wie in den Niederlanden.

Eine Gegenmaßnahme der Regierung bestand in der Teenage Pregnancy Strategy von 1999. Sie sah vor, dass Teenager unter 16 Jahren in der Apotheke gratis ein Notfallkontrazeptivum erhalten. Doch die „Morning after pill“ war kein Erfolg, wie David Paton und Sourafel Girma von der Universität Nottingham in ihrer Studie zeigen.

Die Rate der Teenager-Schwangerschaften sei zwar leicht zurückgegangen. Dieser Trend habe jedoch bereits vor Einführung der Teenage Pregnancy Strategy bestanden. Außerdem sei seit der Einführung des Gesetzes die Rate der STI angestiegen: Die unter 18-Jährigen wandten sich zu 5 Prozent häufiger an eine G.U.M.-Clinic (Genito-Urinary Medicine), bei den unter 16-Jährigen stieg der Anteil sogar um 12 Prozent.

Für die Autoren ist dies ein klares Indiz dafür, dass vor allem die jungen Teenager noch häufiger als zuvor auf Kondome verzichten. Die Studie zeige, dass gut gemeinte Gesetze manchmal das Gegenteil von dem bewirken, was sie anstreben. © rme/aerzteblatt.de

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Gromer
am Mittwoch, 2. Februar 2011, 23:41

Vorsicht bei der Interpretation

Offenkundig kam es zu einem Anstieg der STIs in zeitlicher Nähe des Gesetzes.
Allerdings könnte man auch einige andere Gründe nennen, warum die STIs steigen.
So ist im Zuge des immer freizügigeren Umgangs mit dem Themenkomplex Sex bei Jugendlichen sicher auch die Bereitschaft gestiegen bei entsprechenden Symptomen auch einen Arzt aufzusuchen. HPV-assoziierte Erkrankungen - insbesondere Genitalwarzen - waren schon länger am steigen in der breiten Bevölkerung in UK (siehe Simms et al).
Ohne die freie Abgabe von Notfallkontrazeptiva hier werten zu wollen, sollte man sich vor einer Überinterpretation hüten.
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