Politik

Experten warnen vor Gentests aus dem Internet

Donnerstag, 3. Februar 2011

Berlin – Experten haben vor Gentests aus dem Internet gewarnt, da den sogenannten Direct to Consumer-Tests (DTC) häufig keine fach­gerechte ärztliche Beratung zugrunde liege. „Das führt oftmals zu einer Fehlinter­pretation der Testergebnisse“, warnte Thomas Cremer vom Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München heute auf dem 35. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin.

Bei den DTC-Tests schicken Interessenten eine DNA-Probe an ein zumeist US-amerikanisches Labor, wo das Material analysiert wird. Der Einsender erhält dann unter anderem Informationen darüber, ob er Anlageträger für bestimmte Erbkrankheiten ist oder ob sein genetisch bedingtes Risiko für bestimmte Krankheiten wie Altersdiabetes, Alzheimer-Krankheit, Herzinfarkt oder Krebserkrankungen erhöht ist.

Um Ergebnisse genetischer DTC-Tests und den Nutzen teurer, prophylaktischer Maßnahmen beurteilen zu können, sei eine sachkundige und unabhängige Beratung unverzichtbar. „Man muss sehen, dass es selbst bei monogenetischen Erkrankungen von vielen anderen Genen abhängen kann, wie stark man erkrankt“, betonte Cremer.

Solche Tests könnten in den meisten Fällen ohnehin nur einen geringen Teil des persönlichen Risikos klären, da die Entstehung der Erkrankungen in hohem Maße von Umwelteinflüssen und anderen Mechanismen der Genregulation abhingen. Es gebe auch keine Garantie, die Krankheiten zu verhindern.

Betroffene könnten zwar das Risiko für Erkrankungen wie Altersdiabetes durch einen veränderten Lebensstil vorbeugen. Bei anderen häufigen Krankheiten, wie der Alzheimer-Krankheit und mit wenigen Ausnahmen auch bei den meisten Krebserkrankungen, gäbe es bislang aber keine klaren Möglichkeiten einer Vorbeugung durch einen besonderen Lebensstil.

Angesichts der „noch immer geringen Aussagekraft von DTC-Tests bei den meisten dieser multifaktoriellen Erkrankungen“ zeigte sich Cremer erstaunt, „mit welchem Optimismus einige führende Humangenetiker in den USA solche Tests empfehlen“.

Auch Verena Steinke vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn betonte, nicht jeder prädiktive Test sei für die Krankheitsprävention geeignet. „Eine prädiktive Diagnostik ist nur dann sinnvoll, wenn die Untersuchung tatsächlich einen Vorhersagewert besitzt, eine Krankheitsdisposition ausgeschlossen werden kann und es effektive Präventionsmöglichkeiten für die Erkrankung gibt“, erklärte die Ärztin. © mei/kna/aerzteblatt.de

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