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Blutgefäße aus der Kühltruhe

Donnerstag, 3. Februar 2011

Durham – US-Forscher haben eine Methode entwickelt, um im Bioreaktor menschliche Venen herzustellen, die als Dialyse-Shunt oder Venenbypass verwendet werden könnten. In tierexperimentellen Studien in Science Translational Medicine (2011; 3: 68ra9) haben sich die Transplantate langfristig als stabil erwiesen.

Blutgefäße aus dem Bioreaktor gibt es bereits. Die US-Firma Cytograft in Novato, Kalifornien, hat vor Jahren ein Verfahren entwickelt, um Fibroblasten auf Schablonen zu züchten, aus denen dann kleine Röhrchen geformt werden.

Die Produktion ist sehr zeitaufwendig (6 bis 9 Monate) und deshalb sehr teuer (15.000 US-Dollar pro „Graft“). Die Blutgefäße eignen sich aber zur klinischen Anwendung. Die ersten arteriovenösen Shunts aus gewebegezüchteten wurden bereits 2004 in zwei Kliniken in Polen und Argentinien erprobt.

Vielversprechende Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine (2007; 357: 1451-1453) und im Lancet (2009; 373: 1440-1446) publiziert. Wartezeit und Kosten haben jedoch verhindert, dass LifeLine™ ein kommerzieller Erfolg wurde.

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Jetzt versuchen es Shannon Dahl und seine Firma Humacyte in Durham, North Carolina, mit einer anderen Methode. Ihre biotechnologischen Blutgefäße werden wie die von Cytograft in einem Bioreaktor auf einem biologisch abbaubaren Kunststoff gezüchtet. Anders als bei Cytograft ist das Endprodukt aber von sämtlichen Zellen befreit.

Es besteht mehr oder weniger aus Kollagen und der umgebenden zellfreien Matrix, die immunologisch inert ist. Nach der Implantation sind keine Abstoßungsreaktionen zu befürchten. Das bedeutet, dass die Spenderzellen nicht vom Empfänger stammen müssen. Die Blutgefäße könnten deshalb auf Vorrat produziert werden, im Kühlschrank bei 4° Celsius sollen sie mindestens ein Jahr haltbar sein.

Klinische Versuche sind bisher nicht durchgeführt worden, doch die tierexperimentellen Ergebnisse sind vielversprechend. Bei acht Pavianen blieben arteriovenöse Dialyse-Shunts über 6 Monate frei von Thrombosierungen, berichten die Forscher. Fünf von sechs koronaren Bypässen blieben bei Hunden bis zu ein Jahr durchgängig.

Die Bypässe müssten allerdings vor der Transplantation zunächst mit Endothelien des Empfängers besiedelt werden, um einen thrombotischen Verschluss zu verhindern. Mit einem einfachen Griff in den Kühlschrank, wie der Hersteller schreibt, wäre es demnach nicht getan.

Im nächsten Schritt müssen sich die “Bio-Gefäßprothesen” in klinischen Studien beweisen. Ob sie sich am Markt durchsetzen, dürfte von Preis und Verfügbarkeit abhängen. © rme/aerzteblatt.de

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