Proteste gegen Kodierrichtlinien auch aus Nordrhein und Bayern
Freitag, 4. Februar 2011
Düsseldorf/München – Die Kritik an den Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) reißt nicht ab. Nun hat auch die Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) ihre Mitglieder aufgerufen, sich dem Protest gegen die AKR anzuschließen. Konkret empfiehlt der Vorstand der Kammer den rheinischen Ärzten, die Petition 15520 eines baden-württembergischen Hausarztes an den Deutschen Bundestag zu unterstützen, die den Stopp der Kodierrichtlinien fordert.
Verbindliche Informationen über die Verschlüsselung seien voraussichtlich vor Mitte April nicht verfügbar, kritisierte die ÄkNo. Die EDV-Häuser seien gezwungen, ihre Programme „mit heißer Nadel“ zu stricken, was Fehler provoziere. Eine breite Erprobungsphase sei nicht vorgesehen.
Grundsätzlich ist nach Auffassung der Kammer gegen eine Verteilung finanzieller Mittel aufgrund nachgewiesener Morbidität aber nichts einzuwenden. Jedoch bedeute die in den AKR vorgesehene Kodiertiefe in fünfstelligen ICD-10-Diagnosen einen zu hohen Zeitaufwand für den Nutzen, der daraus erwachse.
Auch die
KV Bayerns wandte sich die AKR. „Die Systematik der AKR zielt in ihrer aktuellen Ausprägung darauf ab, die Menschen kranker zu machen, als sie eigentlich sind. Denn nicht der gesunde Mensch steht im Fokus, sondern möglichst schwere Krankheiten. Künftig gilt: je kranker, desto lukrativer“, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der KV, Wolfgang Krombholz.
„Die geforderte enorme Kodiertiefe und die aufwändige Nachkodierung von Bestandsdiagnosen bedeuten einen erheblichen bürokratischen Zusatzaufwand“, sagte der KV-Vorstandsvize Pedro Schmelz. In den Praxen verlören die Ärzte damit wertvolle Zeit, die sie sonst ihren Patienten widmen könnten. Problematisch sei auch, dass noch längst nicht alle Hersteller von Praxisverwaltungssystemen die AKR anwenderfreundlich umgesetzt hätten.
„Zahlreiche technische Probleme machen die Integration der neuen Kodiervorschriften in den Praxisalltag derzeit unmöglich“, hieß es aus dem Vorstand.
Der Vorstand der KV kritisiert außerdem, dass bisher keine wesentlichen Informationen über die honorarpolitischen Auswirkungen des gesamten Vorhabens vorlägen. „Momentan ist noch völlig unklar, welche Bedeutung die Kodierung nach den neuen Kodierrichtlinien künftig für das Honorar der Ärzte und Psychotherapeuten haben wird“, sagte Ilka Enger, zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV.
© hil/aerzteblatt.de
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