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Typ-1-Diabetes mellitus: Hinweise auf Virusinfektion

Freitag, 4. Februar 2011

Sydney – Kinder mit Typ-1-Diabetes mellitus sind fast zehnmal häufiger mit Enteroviren infiziert als gesunde Kinder. Dies ergab eine Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d35). Die starke Assoziation ist ein Hinweis, aber kein Beweis auf eine virale Genese der Autoimmunerkrankung.

Die Inzidenz des Typ-1-Diabetes mellitus steigt in Europa derzeit um mehr als 3 Prozent pro Jahr, ohne dass es hierfür eine Erklärung gibt. Neben Umwelttoxinen und Nahrungsmitteln (beispielsweise Kuhmilch) werden immer wieder Viren als Ursache des Typ-1-Diabetes mellitus diskutiert.

Die bisher überzeugendsten Hinweise hierauf liefert jetzt eine Meta-Analyse der Forschergruppe um Maria Craig von der Kinderklinik Westmead in Sydney. Sie fasst 26 Studien zusammen, die Patienten mit zumeist neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes mellitus auf Infektionen mit Enteroviren hin untersucht hatte. Der Virusnachweis wurde mittels RNA-Sonden oder Proteinnachweis in Blut-, Stuhl- oder Gewebeproben durchgeführt.

Die Autoren fanden eine signifikante Assoziation sowohl mit einer Autoimmunität, die auf einen bevorstehenden Typ-1-Diabetes mellitus hinweist (Odds Ratio 3,7; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,1-6,8) als auch mit der Erkrankung selbst (Odds Ratio 9,8; 5,5-17,4).

Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die keine Assoziation zu serologischen Befunden ergaben. Serologische Studien suchen jedoch nur nach bestimmten Serotypen der Erreger, so dass ein Zusammenhang leicht übersehen werden kann, meint der Editorialist Didier Hober von der Universität Lille (BMJ 2011; 342: c7072). Der direkte Erregernachweis könnte hier beweiskräftiger sein.

Dennoch stellt die Assoziation keinen Beweis dar. Denkbar ist, dass der Diabetes die Kinder anfälliger für Infektionen gemacht hat oder ein dritter Faktor sowohl dem Typ-1-Diabetes mellitus als auch der Enterovirus-Infektion zugrunde liegt. Gegen eine kausale Genese scheint zu sprechen, dass die Assoziation nicht nur gegen ein einzelnes Enterovirus, sondern gegen eine Vielzahl dieser Viren bestand.

Es gibt insgesamt 66 humane Enteroviren. In den Studien wurde zumeist nach Coxsackie- und Enteroviren im engeren Sinne gesucht. Gegen eine kausale Rolle spricht auch, dass keineswegs bei allen Kindern mit Typ-1-Diabetes mellitus Enteroviren gefunden werden.

Der nächste Schritt muss nach Ansicht der Autoren darin bestehen, eine zeitliche Kausalität zwischen der Infektion und dem Auftreten der Erkrankung nachzuweisen. Dazu sind prospektive Studien erforderlich.

Sollte sich am Ende jedoch der Verdacht bestätigen, könnten sich präventive und therapeutische Konsequenzen ergeben. Diese liegen derzeit aber noch in weiter Ferne. Um beispielsweise einen Impfstoff zu entwickeln, müsste die Identität des Erregers genauer bekannt sein. © rme/aerzteblatt.de

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