Politik

Präimplantations­diagnostik: Dritter Gesetz­entwurf präferiert generelles Verbot

Dienstag, 8. Februar 2011

Berlin – Aufgrund ethischer Bedenken wollen Abgeordnete von Regierung und Opposition die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) generell verbieten. Nach ihrer Ansicht findet eine  gezielte Auswahl und damit auch gleichzeitig Verwerfung von Embryonen statt, die neben der Menschenwürde auch das Recht auf Leben und Gleichberechtigung verletzt.

Ihren gemeinsamen Gesetzentwurf präsentierten jetzt die Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Günter Krings (CDU), Johannes Singhammer (CSU), der FDP-Abgeordnete Pascal Kober und Kathrin Vogler (Linke) als Gegenvorschlag zu den beiden anderen parteiübergreifenden Initiativen, die eine weitgehende oder zumindest begrenzte Zulassung der PID anstreben.

Das explizite PID-Verbot wollen die Parlamentarier im Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (GenDG) zu verankern. Etwa 20 Parlamentskollegen aus Union, FDP, SPD, Grünen und Linken schlossen sich bereits der Verbotsinitiative an.

Schmidt warnte vor einem Paradigmenwechsel: Während sich heute jedes Leben entwickeln dürfe, würden bei Zulassung der PID einzelne Menschen über lebenswertes oder –unwertes Leben entscheiden. Eine Gesellschaft habe „nicht das Recht, Regeln aufzustellen, welches Leben sich entwickeln darf“.

Auch den Vorschlag einer anderen Parlamentariergruppe, PID nur bei zu erwartenden schwerwiegenden Erkrankungen zuzulassen, lehnte Schmidt stellvertretend für ihre Gruppe ab. Die Erfahrungen in Ländern mit praktizierter PID zeigten, dass ein derartiger Krankheitenkatalog zunehmend ausgeweitet werde.

Göring-Eckhardt betonte, sie habe großes Verständnis für den Wunsch genetisch vorbelasteter Eltern, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Heilsversprechen könnten jedoch nicht eingehalten werden.

Dabei wies sie darauf hin, dass lediglich jede fünfte Frau nach einer PID schwanger werde und viele Behinderungen auch unter der Geburt verursacht würden. Zudem bestehe durch die Methode ein erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften sowie Fehlbildungen und ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes.

Johannes Singhammer (CSU) warnte vor einer „Qualitätskontrolle“ für menschliches Leben. Schlüssige Auswahlkriterien könne es nicht geben. „Wer will bestimmen, ob ein Leben von nur einem Jahr nicht lebenswert ist“, sagte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende.

Der FDP-Politiker Kober hält eine Positivliste, die festlegt, wann ein Embryo aussortiert werden darf, für einen unzulässigen „Übergriff des Staates auf das Lebensrecht des Einzelnen“. Eine PID-Zulassung funktioniere aber nur mit so einem „Wertungskatalog“.

Im vergangenen Jahr hatte sich bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen die Methode ausgesprochen. Da jetzt alle drei zu erwartenden Gesetzentwürfe vorliegen, soll im Frühjahr im Bundestag über die Zulassung der PID beraten werden. Die Abstimmung im Bundestag über die PID soll noch vor der Sommerpause ohne Fraktionszwang stattfinden. © ER/dpad/aerzteblatt.de

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w.strecker
am Freitag, 11. Februar 2011, 11:31

Verbot der PID unverantwortlich

Nach dem oben geforderten Verbot der PID müßte konzerquenterweise auch ein Verbot der IVF ( IN - vitro - Fertilisation ) gefordert weren, da zum Beispiel von 10 Embryos nur 3 implantiert werden und 7 Embryos kalkuliert nicht überleben.
Schwersthinderte aufgrund eines Verzichtes der PID anstelle eines gesunden Kindes leichtfertig inkauf zu nehmen, ist unverantwortlich und bestimmt nicht "Gottes Wille ".
Eine IVF darf es nur geben, wenn eine PID, insbesonder bei erhöhtem Risiko, zur Verfügung steht.
Das Bemühen um die Vermeidung einer schweren Behinderung und der Respekt und jede erdenkliche Hilfe für Schwerstbehinderte gehören untrennbar zusammen.
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