Ausland

Belgien: Mindestens vier Organspenden nach Sterbehilfe

Dienstag, 8. Februar 2011

Brüssel – In Belgien sind in mindestens vier Fällen nach Sterbehilfe verstorbenen Patienten Organe zu Transplantationszwecken entnommen worden. Wie belgische Medien am Dienstag berichteten, stimmten sowohl in Antwerpen als auch in Lüttich die zuständigen Ethikkomitees jeweils den Organentnahmen zu. Der CDU-Bioethikexperte und Europaabgeordnete Peter Liese rief Deutschland auf, Regelungen zu treffen, wonach Organe von Sterbehilfe-Patienten nicht verwendet werden sollen.

Belgischen Medienberichten zufolge war die Organentnahme nach Tod durch Sterbehilfe gesetzlich zulässig. Allerdings seien sich die Komitees bewusst gewesen, dass es sich dabei um eine ethisch sensible Frage handele, so die Zeitungen. Es sollten mit der Möglichkeit der Organentnahme keine zusätzlichen Anreize für Sterbehilfe geschaffen werden.

Über die Fälle war laut den Berichten erstmals bereits im Dezember bei einem Symposium der belgischen Medizin-Akademien berichtet worden. An die breite Öffentlichkeit gekommen sei die Information jetzt durch einen Bericht des Europäischen Instituts für Bioethik.

Darin heißt es, unter Ärzten sei der Rückgriff auf Spenderorgane von Sterbehilfe-Patienten umstritten. In allen Fällen habe es den starken Wunsch der Patienten gegeben, nach dem Tod Organe zu spenden.

Zu den Forderungen der Ärzte gehöre, das Sterbehilfe- und das Organspendeverfahren so weit wie nur irgend möglich voneinander zu trennen, um ethische Probleme auszuschließen. Daneben müsse sichergestellt werden, dass die Zuteilung der Organe an Empfänger durch die Zentrale Eurotransplant nur für solche Staaten erfolge, in denen Organe von Sterbehilfe-Patienten akzeptiert würden.

Eurotransplant koordiniert die Organspenden für Belgien, Deutschland, Österreich, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande und Slowenien. 

Der Europaabgeordnete Liese sagte auf Anfrage, er lehne Organspenden nach Sterbehilfe ab. Die Gefahr sei zu groß, dass subtiler Druck auf die Patienten ausgeübt werde. Er forderte, Deutschland solle sicherstellen, dass Organe von Sterbehilfepatienten ebenso wie aus Organhandel stammende Transplantate nicht akzeptiert würden. Bei allem Verständnis für Patienten auf Wartelisten für eine Transplantation müssten ethische Grenzen eingehalten werden. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.098 News Ausland

Nachrichten zum Thema

13.06.16
Hamburg – Dem Hamburger Sterbehelfer Roger Kusch bleibt der Gang vors Gericht erspart. Im Zusammenhang mit der Sterbehilfe für zwei über 80-jährige Frauen in Hamburg ließ das Oberlandesgericht die......
25.05.16
Mehrheit der Australier für Legalisierung der Sterbehilfe
Sydney – Eine große Mehrheit der Australier befürwortet eine Legalisierung der Sterbehilfe. 75 Prozent der Befragten stimmten laut der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Senders ABC der Aussage......
27.04.16
Amsterdam – In den Niederlanden haben im vergangenen Jahr mehr Demenz-Patienten aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen. Unter den 5.516 Menschen, die 2015 aktive Sterbehilfe erhielten, seien 109......
04.04.16
Brüssel – Der ehemalige belgische Außenminister Steven Vanackere hat eine öffentliche Debatte über Sterbehilfe gefordert. Das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe in Belgien sei "fehlerhaft", sagte......
11.02.16
Niederlande: Sterbehilfe aus psychiatrischen Gründen
Bethesda – In den Niederlanden ist die Sterbehilfe auch bei organisch gesunden Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen erlaubt. Bioethiker aus den USA äußern nach einer Auswertung von Fallberichten......
08.01.16
Karlsruhe – Das seit Dezember geltende Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung bleibt weiterhin in Kraft. Das Bundesverfassungsgericht hat den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen......
15.12.15
Hamburg – Roger Kusch, seit 2008 Mitbegründer und Vorsitzender eines Sterbehilfe-Vereins in Hamburg, muss sich vorerst nicht wegen Totschlags vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Richter......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige