Politik

Rösler ver­spricht pflegenden Angehörigen mehr Unterstützung

Mittwoch, 9. Februar 2011

Berlin – Gesund­heits­minister Philipp Rösler hat mehr Unter­stützung für die Millionen Menschen versprochen, die alte, kranke oder behinderte Angehörige zu Hause pflegen.

Da die Pflege im häus­lichen Umfeld Priorität vor der Ein­weisung ins Heim habe, „muss man etwas für die Angehörigen tun“, sagte der FDP-Politiker am Mittwoch in Berlin.

Der Sozialverband VdK forderte ganz konkret mehr finanzielle Hilfe bei der Versorgung von Demenz­kranken und bessere Rentenansprüche für die Pflegenden.

Nach Zahlen des Sozialverbands werden vier Millionen Pflegebedürftige von Angehörigen versorgt. Davon beziehen aber nur 1,5 Millionen Geld aus der Pflegeversicherung. Rösler sagte, die pflegenden Angehörigen bräuchten Unterstützung auf vier Feldern: bei der zeitlichen, körperlichen, seelischen und finanziellen Belastung.

Konkrete Maßnahmen benannte der Minister aber noch nicht. Zunächst müsse eine Diskussion geführt werden, wie viel die Gesellschaft für Pflege bezahlen wolle. „Ich kann Ihnen nicht alles versprechen, was sie fordern“, sagte Rösler zu den Vorschlägen des VdK. „Da stehen wir unter dem Zwang der Finanzierung der Pflegeversicherung.“

Milliardenbeträge benötigt
Rösler plant für dieses Jahr eine umfassende Pflegereform. Dabei sollen unter dem Stichwort „Pflegebedürftigkeitsbegriff“ auch verbesserte Leistungen zum Beispiel für Demenzkranke eine Rolle spielen. Zudem soll die Finanzierung neu geregelt werden. Schwarz-Gelb plant eine zusätzliche kapitalgedeckte Säule der Pflegeversicherung, die über einen Zusatzbeitrag des Versicherten finanziert würde.

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher lehnte dieses Finanzierungsmodell als nicht zweckmäßig und ungerecht ab. Gleichzeitig drängte sie den Minister, den bereits seit 2009 diskutierten neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und die ins Auge gefassten Verbesserungen für Demenzkranke auch wirklich umzusetzen. Das gebe es allerdings nicht zum Nulltarif, sagte die Verbandschefin. Die Kosten würden auf jährlich 3,7 bis fünf Milliarden Euro geschätzt.

Darüber hinaus bräuchten Frauen und Männer Unterstützung, die für die Pflege zeitweise aus dem Beruf aussteigen. Nötig sei eine „Lohnersatzleistung“ ähnlich dem Elterngeld sowie Rentenzeiten wie bei den Kindererziehungszeiten, sagte Mascher.

„Pflege ist ohne pflegende Angehörige in Deutschland nicht denkbar“, sagte sie. Würde die Versorgung ausschließlich von Profis übernommen, kämen nach ihrer Rechnung Lohnkosten von mindestens 75 Milliarden Euro im Jahr für 3,2 Millionen Vollzeitarbeitsplätze zusammen. Der Pflegebeitrag müsste ohne pflegende Angehörige von heute 1,95 Prozent bis 2030 auf 4,5 Prozent des Bruttolohns steigen.

Tatsächlich gingen die Zeiten, da sich die Gesellschaft auf diese „kostendämpfende wie stille und meist weibliche Reserve“ verlassen konnte, aber allmählich zu Ende, sagte die Verbandschefin weiter.

Die Zahl der Pflegeheimbewohner sei in den vergangenen zehn Jahren um 18 Prozent gestiegen, die der von ambulanten Dienste zu Hause versorgten Patienten um 14 Prozent. Die Zahl der zu Hause von Angehörigen versorgten Menschen sei dagegen um fünf Prozent gesunken. Der Trend werde sich fortsetzen, solange die Angehörigen alleine gelassen würden, sagte Mascher.

„Das erklärte Ziel“
Rösler stimmte zu, dass es besser sei, die pflegenden Angehörigen vor Überlastung zu schützen als die Pflegebedürftigen in Heimen unterzubringen. „Insofern ist das schon das erklärte Ziel“, sagte der Minister. Allerdings sei es in der Politik schwer, vorausschauende Investitionen durchzusetzen.

Der FDP-Politiker hat für Montag zu einem weiteren Pflegedialog geladen. Die Gespräche sollen der Vorbereitung der Finanzierungsreform dienen, die erst nach den Landtagswahlen im Frühjahr erwartet wird. Die Situation pflegender Angehöriger soll am Montag Thema sein. Der VdK startete dazu eine Kampagne unter dem Titel „Pflege geht jeden an“. © dapd/aerzteblatt.de

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hörni22
am Montag, 14. Februar 2011, 11:30

Reha für pflegende Angehörige

Mal wieder "alter Wein in neuen Schläuchen". Dieses Projekt wurde schon vor Jahren in Schleswig-Holstein erfolgreich durchgeführt, um es dann wieder mangels Geldmittel einzustellen.
Ich bin von Herrn Rösler nicht enttäuscht, weil ich nichts von ihm erwartet habe und erwarten werde.
harlekin2000
am Freitag, 11. Februar 2011, 07:23

Freundliches Grinsen und grosse VersprechungeN

So låset sich eine weitere Glanzleistung dieser Enttäuschung zusammenfassen.
Schwester
am Donnerstag, 10. Februar 2011, 08:03

Wir brauchen eine Gesundheitsreform

mit menschlichem Antlitz.

Man kann es nicht ertragen was fast täglich neu ausgebrütet wird.
Pflege geht jeden an. Stimmt und es kann jeden Menschen treffen von einer Minute zur anderen zum Pflegefall zu werden.
Wie würden Sie sich fühlen wenn sie nur noch geldwert haben???
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