Politik

Organspende: Verbesserte Koordination kann Rate am besten erhöhen

Donnerstag, 10. Februar 2011

Berlin – Die Anzahl der Organspenden in Deutschland kann durch eine bessere Organisation des Kranken­haus­wesens erhöht werden, ohne dass eine Wider­spruchsr­egelung bei der Organspende gesetzlich eingeführt wird, meinen Frank-Ulrich-Montgomery, Vize­präsident der Bundesärztekammer, und Peter Liese, gesund­heits­politischer Sprecher der Christdemokraten im Euro­päischen Parlament.

„Oft wird behauptet, dass Spanien und auch andere Länder, wie Frankreich und Belgien, bessere Zahlen bei der Organspende vorweisen können, weil sie die Widerspruchsregelung haben. Dies ist nach Ansicht der Verantwortlichen in Spanien aber falsch“, erklärte Liese.

Denn die Widerspruchsregelung werde dort kaum angewandt. „Unser Hauptproblem in Deutschland ist nicht, dass man für eine Organspende die Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen braucht, sondern dass durch mangelhafte Organisation im Krankenhaus viele Organe verloren gehen.“ 

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Montgomery hält eine erneute Debatte über die gesetzliche Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende sogar für kontraproduktiv. Sie könne zu einer Verunsicherung der Bevölkerung und in der Folge zu einer vermehrten Passivität führen.

„Aus ethisch-religiösen Gründen halte ich die Widerspruchslösung in unserer Gesellschaft nicht für durchsetzbar, obwohl sie medizinisch der sinnvollste Weg wäre“, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer. Ziel müsse es daher sein, ein funktionierendes administratives System in Deutschland aufzubauen, das den Kontakt zwischen den Krankenhäusern und den Transplantationszentren organisiere.

Montgomery verwies auf Nordrhein-Westfalen: Das Land habe durch den Einsatz von Transplantationskoordinatoren nach spanischem Vorbild die Organspendezahlen deutlich erhöhen können. Bislang haben jedoch nur die Hälfte der 16 deutschen Bundesländer Gesetze zur Einführung von Transplantationsbeauftragten vorgesehen.

Als eine weitere sinnvolle Möglichkeit, die Organspenderate zu erhöhen, sieht Liese die Option an, bei Beantragung eines offiziellen Dokumentes, wie des Führerscheins oder des Personalausweises, die Bereitschaft für die Organspende zu erfragen.  Selbstverständlich müsse es auch die Möglichkeit geben, sich diese sensible Entscheidung offen zu halten.

„Wichtig ist aber, dass sich die Menschen stärker mit dem Thema Organspende beschäftigen“, betonte Liese. Ärztinnen und Ärzte sollten dabei mit positivem Beispiel vorangehen, ergänzte Montgomery. So schicke beispielsweise die Ärztekammer Hamburg, deren Präsident Montgomery ist, jährlich seinen Mitgliedern einen Organspendeausweis zu.

Im europäischen Vergleich zeigen die Transplantationszahlen  zum Teil große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Deutschland liegt mit 14,6 Transplantationen pro einer Millionen Einwohner im unteren Mittelfeld der Skala. Das erfolgreichste Land im Bezug auf Organtransplantation in Europa ist Spanien, mit einer Million Einwohnern kommen sie auf 34,2 Organtransplantationen pro Jahr. © ER/Fe/aerzteblatt.de

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k.breu
am Freitag, 11. Februar 2011, 11:08

Bundesärztekammer gegen Widerspruchslösung bei Organspende

Mit großer Mehrheit haben das Bayerische Ärzteparlament im November 2009 und die Delegierten des 113. Deutschen Ärztetages im Mai 2010 meinem Antrag zur „Optimierung der Organspende“ zugestimmt. Dabei sprachen sich die gewählten Vertreter der Deutschen Ärzteschaft nicht nur für eine Intensivierung der bereits eingeleiteten strukturellen, organisatorischen und finanziellen Maßnahmen, sondern forderten gleichzeitig eine zeitnahe neue Rechtsnorm im Sinne einer Widerspruchsregelung.
Durch dieses zweigleisige Vorgehen wurde Spanien innerhalb von 15 Jahren Spitzenreiter in Sachen Organspende, obwohl es zuvor europäisches Schlusslicht gewesen ist. Zur Zeit beträgt die Wartezeit für eine Nierentransplantation bei uns laut der Deutschen Stiftung Organspende über 5 Jahre, in Spanien dagegen unter 2 Jahren.
Obwohl der nationale Ethikrat bereits im Jahr 2007 die derzeit geltende gesetzliche Regelung zur Organspende, nämlich die erweiterte Zustimmungsregelung als Haupthemmnis ausmachte, wird das Votum der Deutschen Ärzteschaft aus Dresden vom Vorstand der Bundesärztekammer in seinen Veröffentlichungen zum Thema Organspende ignoriert, negiert und bagatellisiert.
Die Bundesärztekammer sollte als Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung die Beschlüsse des Deutschen Ärzteparlaments akzeptieren und aktiv unterstützen.
Für diejenigen, die auf ein Organ warten, ist die seit Jahren anhaltende Diskussion nicht zielführend.
Folgen wir doch den Erfahrungen von 17 europäischen Ländern mit Widerspruchsregelung, oder besser noch setzen wir den Beschluss der Deutschen Ärzteschaft um und gehen wir beide Wege gleichzeitig.

Dr. Karl Breu
Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Weilheim-Schongau
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