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Stiftung: In Deutschland keine Organspende nach Sterbehilfe

Donnerstag, 10. Februar 2011

Frankfurt – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sieht für Deutschland keine Gefahr einer Verwendung von Organen von Sterbehilfepatienten. Sie reagierte damit am Donnerstag auf Anfrage auf Berichte, nach denen in Belgien in mindestens vier Fällen nach Sterbehilfe gestorbenen Patienten Organe zu Transplantationszwecken entnommen worden sind.
DSO-Sprecherin Christine Gehringer sagte in Frankfurt, es sei auch sichergestellt, dass solche Organe etwa aus Belgien nicht über den europäischen Verbund „Eurotransplant“ nach Deutschland gelangten.

Eurotransplant verteilt die gespendeten Organe aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Österreich, Slowenien und Kroatien. In Belgien, den Niederlanden und Luxemburg ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

„Im Rahmen von Eurotransplant ist ganz klar geregelt, dass Organe von Menschen nach Herz-Kreislauf-Tod nicht nach Deutschland zur Transplantation vermittelt werden dürfen“, sagte Gehringer. Bei Organspenden nach Sterbehilfe handele es sich aber um solche Spenden nach Herz-Kreislauf-Tod.

Die Sprecherin verwies darauf, dass nach dem deutschen Transplantationsgesetz die Organentnahme allein dann zulässig sei, wenn zuvor der Gesamthirntod des Patienten festgestellt wurde. „Damit scheidet nach der derzeitigen Rechtslage eine Organentnahme von sogenannten herzkreislauftoten Spendern, auch Non Heart Beating Donor genannt, aus.“

Belgische Medien hatten am Dienstag berichtet, dass sowohl in Antwerpen als auch in Lüttich die zuständigen Ethikkomitees den Organentnahmen nach Sterbehilfe zugestimmt hatten. Der CDU-Bioethikexperte und Europaabgeordnete Peter Liese rief Deutschland auf, Regelungen zu treffen, wonach Organe von Sterbehilfe-Patienten nicht verwendet werden sollen.

Laut den Medienberichten war die Organentnahme nach Tod durch Sterbehilfe gesetzlich zulässig. Allerdings seien sich die Komitees bewusst gewesen, dass es sich dabei um eine ethisch sensible Frage handele, so die Zeitungen. Es sollten mit der Möglichkeit der Organentnahme keine zusätzlichen Anreize für Sterbehilfe geschaffen werden. Liese sagte auf Anfrage, er lehne Organspenden nach Sterbehilfe ab.

Die Gefahr sei zu groß, dass subtiler Druck auf die Patienten ausgeübt werde. Er forderte, Deutschland solle sicherstellen, dass Organe von Sterbehilfe-Patienten ebenso wie aus Organhandel stammende Transplantate nicht akzeptiert würden. Bei allem Verständnis für Patienten auf Wartelisten für eine Transplantation müssten ethische Grenzen eingehalten werden. © kna/aerzteblatt.de

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GrauAlfons
am Montag, 14. Februar 2011, 15:11

Organspende nach Sterbehilfe

An: Avisglauca

Als sicheres Todeszeichen galt der Hirntod nie...!
Da Sie Robert Veatch und Ralf Stoecker - der eine ist Philosoph, der andere Medizin-Ethiker - nicht akzeptieren, zitiere ich den Medizin-Professor Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, aus einem Schreiben vom 26.08.2009 an die Initiative "Kritische Aufklärung über Organtransplantation": "Er (der Hirntod) wird als Entnahmekriterium festgesetzt, nicht ausdrücklich als sicheres Todeszeichen".

Dann leben vielleicht noch einige der Menschen, bei denen der Hirntod festgestellt wurde?...Ja!
Frau Dr. med. Regina Breul hat solche Fälle dokumentiert. Das sind natürlich Einzelfälle, weil in der Regel der Spender durch die Explantation getötet wird oder eines natürlichen Todes stirbt, wenn seine Angehörigen die Organentnahme verweigern.


GrauAlfons
am Freitag, 11. Februar 2011, 13:08

Organspende nach Sterbehilfe

mit Ihrem Artikel: "Stiftung: In Deutschland keine Organspende nach Sterbehilfe" wird wieder einmal kräftig Sand in die Augen gestreut, wie bei der Redeweise von der "postmortalen Organspende".

Wenn es stimmt, dass der sogenannte Hirntod nicht der (biologische) Tod des Menschen ist, sondern lediglich ein Abschalt- und Entnahmekriterium, dann ist bei jeder Explantation "Sterbehilfe" bzw. "Tötung auf Verlangen" im Spiel. Als sicheres Todeszeichen galt der Hirntod nie. Robert Veatch, ein Zeitzeuge der Arbeit des Ad Hoc Commitee von Harvard berichtet: None of the members was so naive as to believe that people with dead brains were dead in the traditional biological sense of the irreversible loss of bodily integration. Dies ist nachzulesen bei Ralf Stoecker: "Ein Plädoyer für die Reanimation der Hirntoddebatte in Deutschland".

Ich meine: Sogenannte Hirntote sind allenfalls Sterbende. Alle zu transplantierenden Organe werden - ähnlich wie bei der Nieren-Lebendspende - bei lebendigem Leib entnommen, denn Leichenorgane (ex cadavere) sind für eine Transplantation nicht brauchbar. Der/Die Organspender/in wird - im Gegensatz zur Nieren-Lebendspende - durch die Organentnahme getötet. Die Liste der Natur- und Geisteswissenschaftler, die das erkennen und offen zugeben, wird immer länger.
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