Krebs: Röntgen als möglicher Auslöser in-utero und in den ersten Lebensjahren
Freitag, 11. Februar 2011
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| dpa |
Bethesda - Strahlenexperten bereitet die zunehmende Verwendung der Computertomographie (CT) bei Schwangeren und kleinen Kindern Bauchschmerzen. Ihre Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d472) zeigt ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko an. Die Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig.
Die Oxford Survey of Childhood, eine retrospektive Kohortenstudie aus den 70er Jahren, hatte ein erhöhtes Krebsrisiko von Kindern gefunden, die in den 50er und 60er Jahren in-utero mit Röntgenstrahlen exponiert wurden.
In der Folgezeit wurde der Strahlenschutz verbessert und die Exposition durch konventionelle Röntgenstrahlen ist zurückgegangen. Mit der Einführung der Computertomografie und anderer neuerer radiologischer Untersuchungen ist die Exposition jedoch wieder gestiegen.
Preetha Rajaraman vom US-National Cancer Institute in Bethesda hat deshalb nach neueren Daten für eine aktuelle Risikoeinschätzung gesucht. Als Untersuchungsmaterial bot sich die UK Childhood Cancer Study an. Sie umfasst 2.960 Kinder der Jahrgänge 1976 bis 1996, die im Kindesalter an Krebs erkrankten.
In einer Fall-Kontroll-Studie stellte sie Rajaraman der doppelten Anzahl von Kindern gegenüber, die nicht an Krebs erkrankt sind. Die Frage lautete, ob die krebskranken Kinder häufiger in utero oder in den ersten hundert Lebenstagen Röntgenstrahlen ausgesetzt waren.
Die Untersuchung wird durch den Umstand erschwert, dass Ärzte nach Möglichkeit auf Röntgenuntersuchungen in der Schwangerschaft verzichten. Übersichtsaufnahmen von Thorax oder Abdomen wurden in der Kohorte nur selten durchgeführt und eine in-utero-Exposition durch ein CT hat es nur in einem einzigen Fall gegeben.
Der häufigste Grund für eine Röntgenaufnahme während der Schwangerschaft war eine “Pelvimetrie”: der inzwischen wieder verlassene Versuch, durch eine Röntgenaufnahme festzustellen, ob die Frauen ein gebärfreudiges Becken haben.
Trotz dieser Einschränkungen ermittelt Rajaraman ein um 14 Prozent erhöhtes Krebsrisiko nach einer intra-uterinen Röntgenexposition. Die Odds Ratio (OR) von 1,14 war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,90 bis 1,45 jedoch nicht signifikant. Dies trifft auch auf Leukämien (OR 1,36), die AML (OR 2,44) und Non-Hodgkin-Lymphome (OR 1,48) zu, die durch erhöhte Odds Ratios auffallen.
Anders sind die Ergebnisse Rajaramans zur Röntgen-Exposition in den ersten hundert Lebenstagen. Diese bestand in den meisten Fällen in einer Röntgenaufnahme des Thorax. Insgesamt kann Rajaraman ein um signifikant erhöhtes Risiko von Lymphomen nach einer Röntgenexposition aufzeigen: Die Odds Ratio betrug 5,14 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,27 bis 20,78. Die Berechnung beruht allerdings auf einer kleinen Fallzahl (1 Hodgkin-Lymphom und 6 Non-Hodgkin-Lymphome), was die Aussagekraft natürlich einschränkt.
Für die Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft, die heute eine Routine ist, bestätigt Rajaraman übrigens das Fehlen eines jeglichen Krebsrisikos. Diese Untersuchung, die keine ionisierende Strahlung verwendet, gelte zurecht als unbedenklich.
Eine Exposition mit Röntgenstrahlen sollte nach Ansicht von Rajaraman jedoch in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren nach Möglichkeit vermieden werden, findet Rajaraman.
© rme/aerzteblatt.de
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