Politik

Stiftung empfiehlt generelle Zulassung der PID

Mittwoch, 16. Februar 2011

Berlin – Für die generelle Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) hat sich die Giordano-Bruno-Stiftung ausgesprochen. Eine Stellungnahme ihrer Ethikkommission hat die Stiftung heute den Mitgliedern des Deutschen Ethikrats zugestellt. „In einem liberalen Gemeinwesen sollten mündige Bürger tun und lassen dürfen, was sie wollen, solange es ihnen nicht mit guten Gründen verboten werden kann“, hieß es von der Stiftung.

Solche „guten, verallgemeinerungsfähigen Gründe“ gebe es weder für ein Verbot der PID noch für die von einigen Politikern vorgeschlagene Beschränkung der PID auf Paare, deren erbliche Vorbelastung erwiesen sei.

Kritik äußerte die Kommission insbesondere an der Überzeugung, dass aussondernde PID dem Lebensinteresse von Embryonen zuwiderlaufe. Denn es sei offensichtlich, dass Embryonen, die nichts spürten und bei -196 Grad kryokonserviert werden könnten, kein subjektives Lebensinteresse besäßen.

Auch das häufig vorgebrachte Argument, die Auswahl gesunder Embryonen laufe auf eine Herabsetzung von Behinderten hinaus, hält die Kommission für verfehlt: „Die Annahme, dass die Vernichtung befruchteter Eizellen mit genetischen Defekten zur Diskriminierung von Behinderten führt, ist ähnlich absurd wie die Forderung nach Abschaffung der Impfung gegen Kinderlähmung, weil diese eine Diskriminierung von Menschen mit Kinderlähmung zur Folge haben könnte“, hieß es aus der Stiftung.

Angesichts der Möglichkeit, PID in den Nachbarländern durchführen zu lassen, würden die geplanten Restriktionen nach Ansicht der Kommission ohnehin nur jene Bürger betreffen, die sich eine PID im Ausland nicht leisten könnten. Das sei aber sozial ungerecht.  

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, gegründet wurde sie 2004. Die Stiftung ist laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia religionskritisch und vertritt die Ansicht, dass Religionen „die kulturelle Evolution der Menschheit bis heute auf unheilvolle Weise beeinflussen“. © hil/aerzteblatt.de

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