Impfstoff aus Affenzellen schützt vor Grippe
Mittwoch, 16. Februar 2011
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| dpa |
Orth an der Donau – Die Wartezeit auf den saisonalen Grippe-Impfstoff könnte sich in Zukunft verkürzen. Nach Novartis konnte jetzt auch Baxter die Wirksamkeit eines in Zellkulturen hergestellten Impfstoffs belegen. Die Produktion ist einfacher und schneller als bei dem konventionellen Impfstoff, der in Hühnerembryonen vermehrt wird.
Die WHO gibt alljährlich im Frühjahr die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffes für die nächste Saison bekannt. Den Herstellern bleibt dann gerade einmal ein halbes Jahr für die Herstellung in bebrüteten Hühnereiern. Die Produktion in Zelllinien ist schneller.
Seit 2007 ist in Deutschland mit Optaflu® ein erster Impfstoff aus Zellkulturen verfügbar. In der Grippesaison 2007/2008 erzielte der Impfstoff eine Schutzwirkung von 83,8 Prozent gegen den vom Impfstoff erfassten Virusstamm. Dies jedenfalls ergab eine Studie, die im letzten Jahr in Clinical Infectious Diseases (2010; 51: 997-1004) publiziert wurde.
Die Schutzwirkung war in der Studie sogar tendenziell besser als bei dem konventionellen Impfstoff, mit dem er verglichen wurde. Dieser erzielte eine Effektivität von 78,4 Prozent. Der Unterschied war jedoch nicht signifikant. Beide Impfstoffe waren auch gleich gut verträglich. Sie waren einem Placebo, das im dritten Arm der Studie injiziert wurde, deutlich überlegen.
Auch der zweite in Zellkulturen hergestellte Impfstoff ist sicher und effektiv, wie die jetzt von Noel Barrett vom Baxter Forschungszentrum in Orth an der Donau im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(10)62228-3) publizierten Ergebnisse einer Phase-III-Studie zeigen.
An 38 Zentren in den USA waren 7.250 Erwachsene im Alter von 18 bis 49 Jahren vor der Saison 2008/2009 entweder mit Placebo oder mit Preflucel® geimpft worden, das in Österreich und Tschechien bereits zugelassen ist. Die Effektivität gegen die im Impfstoff enthaltenem drei Stämme lag zwischen 88,0 und 97,1 Prozent, so dass an der Wirksamkeit kaum zu zweifeln ist.
Eine Einschränkung besteht darin, dass der Impfstoff an jungen Erwachsenen getestet wurde. Diese verfügen über ein kräftiges Immunsystem, das schnell Antikörper gegen die Grippeviren bildet. Andererseits erkranken sie seltener an einer schweren Grippe und benötigen (sofern sie nicht chronisch krank sind) den Impfstoff weniger dringend als ältere Menschen, bei denen das Immunsystem oft nicht mehr in der Lage ist, die Viren effektiv zu bekämpfen. Bei älteren Menschen ist erfahrungsgemäß auch die Fähigkeit protektive Antikörper zu bilden, eingeschränkt. Die Grippe-Impfung ist in dieser Altersgruppe weniger effektiv.
Der neue Impfstoff wird in Stahlcontainern von Vero-Zellen gebildet. Diese Zellinie stammt ursprünglich aus Nierenzellen der Äthiopischen Grünmeerkatze (Chlorocebus aethiops). Sie werden auch zur Produktion von Impfstoffen gegen Polio-, Rabies- sowie Rotaviren verwendet. Dort hat sich die Verwendung von Vero-Zellen als sicher erwiesen.
Nach Ansicht des Kommentators W. Paul Glezen vom Baylor College of Medicine in Houston hat die Produktion in Zellkulturen den Vorteil, dass die Antigenität des Haemagglutinins, dem wichtigsten Angriffspunkt der Antikörper, unverändert bleibt.
Bei der Produktion in Hühnerembryonen kommt es hier zu Modifikationen, die die Impfstoffwirkung abschwächen könnten. In der Studie kam der Vorteil nicht zum Tragen, da die für den Impfstoff verwendeten Viren in Hühnerembryonen “vorgebrütet” waren.
© rme/aerzteblatt.de
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