Berlin – Demenzerkrankungen werden besonders in Ostdeutschland zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem.
Schon jetzt leben dort in vielen Regionen überdurchschnittlich viele Erkrankte, wie Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Dienstag in Berlin erklärte. Die Betreuung der Patienten sei deswegen in diesen Regionen künftig besonders gefährdet.
Laut dem am Dienstag veröffenlichten Demenz-Report des Berlin-Instituts leben deutschlandweit die meisten Erkrankten an der Grenze zur Tschechischen Republik. Den höchsten Wert erreicht das sächsische Hoyerswerda, dicht gefolgt von Görlitz und Dessau. In erster Linie betroffen seien Kommunen mit einer hohen Abwanderung junger Menschen.
In den niedersächsischen Kreisen Cloppenburg und Vechta liegt der Anteil der Demenz-Erkrankungen aufgrund hoher Geburtenzahlen dagegen deutlich unter dem Durchschnitt. Dies gilt auch für den Großraum München, wo das Angebot an Arbeitsplätzen junge Menschen und Familien anzieht.
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„Demenz ist der Preis für die Langlebigkeit einer Gesellschaft“, sagte Klingholz. Zugleich gebe es wegen der geburtenschwachen Jahrgänge immer weniger jüngere Menschen für die Pflege der Demenzkranken, fügte er hinzu. „Erst ab 2050 verjüngt sich die Gesellschaft wieder.“
Eine der Autorinnen der Studie, Sabine Sütterlin, forderte nationale Demenzpläne, wie sie zum Beispiel in Frankreich existieren: „Die Menschen müssen besser über Demenz informiert werden, die Versorgungsstrukturen müssen aufgebaut und die Betreuungsaufgaben besser organisiert werden.“
Besonders gelte es, Angehörige bei der Pflege der Demenzkranken zu entlasten. Auch die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung forderte von der Bundesregierung einen „Demenzplan 2020“, der verbindliche Maßnahmen gegen die „Volkskrankheit“ festschreibe.
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