Medizin

Herzinfarkt: Straßenverkehr als häufigster Trigger

Freitag, 25. Februar 2011

Diepenbeek – Der bedeutendste Trigger für einen Herzinfarkt ist nicht körperliche Anstrengung oder Alkohol und auch nicht Sex oder Drogen, sondern der Straßenverkehr. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Risikoanalyse im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(10)62296-9).

Beim Herzinfarkt müssen die langfristigen Ursachen (Risikofaktoren) der koronaren Herzkrankheit von den unmittelbaren Auslösern (Triggern) des ischämischen Ereignisses unterschieden werden. Die wichtigsten Ursachen sind Diabetes, Hypertonie, Rauchen, Dyslipidämie, Entzündungen und Bewegungsmangel. Sie erhöhen über Jahre das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken.

Dem akuten Ereignis geht dann häufig ein Auslöser voraus. Bekannt ist die Abbildung aus dem Netter-Atlas, wo ein Mann nach einem Restaurantbesuch, wo er gut gegessen und einige Zigaretten geraucht hat, die Straße betritt und nach dem Ersteigen weniger Stufen die Tasche fallen lässt und sich an die Brust fasst.

Die vier erwähnten Trigger (schweres Essen, Erschöpfung, Rauchen und Kälte) sind jedoch nicht die wichtigsten Auslöser des Herzinfarktes, wenn man den Berechnungen von Tim Nawrot von der Hasselt Universität im belgischen Diepenbeek und Mitarbeitern glaubt.

Die Epidemiologen haben 36 Studien ausgewertet. Sie ermittelten einmal Zahlen zum persönlichen Risiko, ausgedrückt als Odds Ratio (OR): Hier steht der Kokain-Konsum (OR 23,7) an erster Stelle. Menschen mit einer Herzkrankheit sollte aber auch vom Marihuanarauchen (OR 4,8) sowie von zu viel Alkohol (OR 3,1) und zu häufigem Sex (OR 3,11) abgeraten werden.

Ungünstig sind ebenfalls das von Netter thematisierte schwere Essen (OR 7,0) und körperliche Anstrengung (OR 4,25). Ebenso können Wutausbrüche (OR 3,11) und negative Emotionen (OR 4,46), aber auch positive Emotionen (OR 3,5) einen Herzinfarkt auslösen. Selbst Kaffee (OR 1,5) war ein signifikanter Trigger. Daneben nennt Naewrot noch die Luftverschmutzung (OR 1,02 bis 1,05) und den Straßenverkehr (OR 2,92).

Diese letzten Faktoren mögen für die einzelnen Personen von untergeordneter Bedeutung sein. Da sich ihnen jedoch kaum jemand entziehen kann, haben sie auf die Gesamtzahl aller Herzinfarkte einen erheblichen Einfluss. Ihr Anteil an allen Ereignissen geben Epidemiologen als PAF (population-attributable fraction) an.

Da der Kokainkonsum sehr selten ist, beträgt der PAF nur 0,9 Prozent aller Herzinfarkte. An erster Stelle der von Nawrot ermittelten „Hitliste“ steht der Straßenverkehr (PAF 7,4 Prozent), gefolgt von körperlicher Anstrengung (PAF 6,2 Prozent), Alkohol (PAF 5,0 Prozent), Kaffee (PAF 5,0 Prozent) und der Luftverschmutzung (PAF 4,8 Prozent).

Sie löst mehr Herzinfarkte aus als negative Emotionen (PAF 3,9 Prozent), Wutausbrüche (PAF 3,1 Prozent) oder schwere Mahlzeiten (PAF 2,7 Prozent). Auch positive Emotionen (PAF 2,4 Prozent), sexuelle Aktivität (PAF 2,2 Prozent), Kokain (PAF 0,9 Prozent), Marihuana (PAF 0,8 Prozent) und Atemwegsinfektionen (PAF 0,6 Prozent) sind gesamtgesellschaftlich gesehen kein häufiger Trigger.

Viele Trigger fallen in die Verantwortung des Einzelnen (Genussmittel), andere sind schwer vermeidbar (Infektionen). Einige haben eine Public-Health-Dimension. Hierzu zählen sicherlich der Straßenverkehr und die Luftverschmutzung. Maßnahmen gegen den Straßenverkehr könnten in der Einrichtung verkehrsberuhigter Wohngebiete bestehen, die Assoziation mit der Luftverschmutzung könnte dagegen ein weiteres Argument für Umweltzonen sein.

Ob diese allerdings die Sterblichkeit am Herzinfarkt senken würden, ist eine andere Frage. Ohne die Meidung der oben genannten langfristigen Risikofaktoren wird die Koronarsklerose zweifellos fortschreiten und ein letzter Auslöser wird sich am Ende immer finden. © rme/aerzteblatt.de

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Kontrabass
am Samstag, 26. Februar 2011, 10:26

Überraschung!

Wie sind wohl im Vergleich die immer wieder auftauchenden Studien zu verstehen, die behaupten, Alkohol sei vorbeugend für Herzkrankheiten? Die Dosierung wird hier nicht angesprochen. Luftverschmutzung, Kiffen, Kaffee, Sex, körperliche Überanstrengung oder Kokain wurden bei den bisherigen alkoholpositiven Studien kaum als auszuschliessende Risikofaktoren behandelt. Noch mehr mögliche Fehlerquellen.
KrankerPfleger
am Freitag, 25. Februar 2011, 20:11

Wie gut...

Wie gut, daß ich keinen Führerschein habe.
harlekin2000
am Freitag, 25. Februar 2011, 18:46

Na, da kommt ja die Bensinpreiserhöhung gerade recht!!!

Sie rettet Leben. Soll mal einer sagen, dass nicht alles auch sein Gutes hat.
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