Prostatakarzinom: Schneller PSA-Anstieg kein sicheres Screening-Kriterium
Montag, 28. Februar 2011
New York – Ein rascher Anstieg des PSA-Werts ist kein sicherer Hinweis auf ein Prostatakarzinom. Als Screening-Kriterium würde die „PSA-Velocity“ zu einem deutlichen Anstieg der Biopsierate führen, ohne die Zahl der tatsächlich erkannten Karzinome zu erhöhen, warnen US-Epidemiologen im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2011; doi: 10.1093/jnci/djr028).
Andrew Vickers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York hat die Ergebnisse des Prostate Cancer Prevention Trial ausgewertet. In dieser größeren randomisierten Studie des US-National Cancer Institutes mit fast 19.000 Teilnehmern hatte das National Cancer Institute vor einem Jahrzehnt die krebspräventive Wirkung von Finasterid untersucht.
Vickers beschränkte sich auf die 5.519 Teilnehmer des Placebo-Arms (um einen Einfluss von Finasterid auf die Ergebnisse auszuschließen), bei denen zu Beginn der Studie der PSA-Wert unter 3 ng/dl lag. Bei diesem Wert würde normalerweise keine Prostatabiopsie durchgeführt. Die Leitlinien empfehlen sie erst ab einem Wert von 4 ng/dl. In der Studie wurden alle Teilnehmer mindestens zweimal biopsiert, einmal zu Beginn und dann nach Abschluss der Behandlung.
Vickers ging es um die Frage, ob ein rascher Anstieg des PSA-Wertes einen Hinweis auf ein Prostatakarzinom liefert. Dies erscheint biologisch plausibel. Die meisten Leitlinien raten den Patienten bei einem schnellen PSA-Anstieg, typischerweise um mehr als 0,35 ng/dl pro Jahr, zu einer raschen Sicherung der Diagnose, auch wenn der PSA-Wert den Schwellenwert von 4,0 ng/dl noch nicht überschritten hat.
Alle Teilnehmer des Prostate Cancer Prevention Trial hatten einen negativen Tastbefund. Unter diesen Voraussetzungen war die „PSA-Velocity“ nach den Ergebnissen von Vickers nicht in den Lage, den prädiktiven Wert des Screenings zu erhöhen.
In der Receiver Operating Characteristic (ROC)-Analyse stieg der AUC-Wert nur von 0,702 auf 0,709 an. Optimal wäre ein Wert von 1, ein Wert von 0,5 ist ein reines Zufallsergebnis. Werte von 0,702 oder 0,709 sind relativ schwach und ein Grund für häufige negative Befunde in der Biopsie.
Ein PSA-Wert von 4,0 ng/dl ist nicht selten. Vickers schätzt, dass aufgrund dieses Kriteriums jeder 20. Mann im höheren Alter biopsiert werden müsste. Würde man die „PSA-Velocity“ als weiteres Kriterium hinzunehmen, müsste sich jeder 7. Mann dieser belastenden Untersuchung unterziehen.
Das Kriterium würde die Überdiagnose des Prostatakarzinoms deutlich vermehren, warnt der Epidemiologe. Andererseits besteht kein Zweifel darin, dass das Prostatakarzinom mit einem deutlichen und oft auch raschen Anstieg des PSA-Wertes einher geht.
Zu einem PSA-Anstieg kommt es jedoch auch nach Infektionen der Prostata oder der Blase. Auch sexuelle Aktivitäten, Reiten oder Radfahren können den Übertritt des Proteins ins Blut fördern. Schließlich sind auch Variabilitäten beim Wechsel des Labors oder der Nachweismethode dort möglich. Diese Faktoren wurden in der Studie nicht berücksichtigt, könnten aber in der Beratung der Patienten Argumente für oder gegen einen Test sein.
© rme/aerzteblatt.de
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