UN-Drogenrat warnt vor rascher Zunahme von Designerdrogen
Mittwoch, 2. März 2011
Berlin – Die UNO hat vor einer raschen Zunahme sogenannter Designerdrogen gewarnt und die nationalen Regierungen zu mehr Anstrengungen bei der Kontrolle von Drogenmissbrauch aufgefordert. Wie der Internationale Suchtstoffkontrollrat der Vereinten Nationen (INCB) heute in seinem in Berlin und Wien veröffentlichten Jahresbericht 2010 herausstellte, stehen derzeit allein in Europa 16 neue Substanzen unter Beobachtung.
In Japan wurden demnach 51 Designerdrogen erst kürzlich auf die Kontrollliste gesetzt. Für die Herstellung von Designerdrogen wird dem Bericht zufolge die Molekülstruktur verschreibungspflichtiger Substanzen leicht verändert. So könnten „nationale und internationale Kontrollmaßnahmen“ umgangen werden.
Als Beispiel nannte die UN-Behörde Mephedron, das eine ähnliche Wirkung hat wie Kokain und Ecstasy. Die Partydroge ist in Deutschland bereits verboten, Ende 2010 entschied Brüssel, die Substanz auch in allen anderen EU-Staaten auf den Index zu setzen.
Die Droge tauchte laut INCB 2007 erstmals in Großbritannien auf und verbreitete sich dann rasch im restlichen Europa sowie in Nordamerika und in Südostasien. Häufig wird Mephedron unter harmlosen Bezeichnungen als Badesalz oder Laborchemikalie im Internet angeboten.
Dem Bericht zufolge stieg 2010 jedoch auch der Schmuggel von Kokain durch Afrika nach Europa, nachdem der Handel in den Jahren davor zurückgegangen war. Die Region Ostafrika ist demnach zudem das wichtigste Transitland für Heroin aus Asien.
Westeuropa gilt dem Bericht zufolge wiederum als weltweit größter Markt für die harte und stark abhängig machende Droge. Die Länder Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien stehen demnach an der Spitze des Heroinkonsums. Der Konsum von Cannabis blieb indes in Europa stabil.
INCB-Präsident Hamid Ghodse rief die Regierungen weltweit zu mehr Kontrollmechanismen und Maßnahmen im Kampf gegen die Korruption auf. „Nichts hat dermaßen negative Folgen für den Kampf gegen Drogenhandel wie die erfolgreichen Versuche krimineller Organisationen, Amtspersonen einzuschüchtern und zu bestechen“, erklärte er in dem Bericht. Nötig seien auch schärfere Maßnahmen, um die „Abzweigung“ von Medikamenten zu verhindern, aus denen dann synthetische Drogen hergestellt würden.
© afp/aerzteblatt.de
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