Politik

Institut erwartet 120 Euro Zusatzbeitrag bis 2020

Donnerstag, 10. März 2011

Berlin – Rentner und Arbeit­nehmer müssen sich nach Berechnung von Gesundheits­ökonomen auf rasch steigende Zusatz­beiträge der Kranken­kassen gefasst machen.

Schon Ende 2012 werde der zusätzliche Obolus im Schnitt bei 21 Euro monatlich liegen, sagt das Institut für Gesund­heits­ökonomie und Klinische Epidemio­logie der Universität Köln voraus.

Das Gesundheitsministerium widersprach jedoch vehement. Das mit dem SPD-Politiker Karl Lauterbach verbundene Kölner Institut wolle offenbar Verunsicherung stiften, hieß es am Donnerstag. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte noch vor wenigen Tagen gesagt, er erwarte angesichts der guten Konjunktur auch für 2012 nur bei wenigen Krankenkassen Zusatzbeiträge.

Bisher fordert etwa jede zehnte der rund 150 Kassen zusätzlich Geld von ihren Mitgliedern. Künftig müssen jedoch alle Kostensteigerungen über Zusatzbeiträge hereingeholt werden, weil Rösler den normalen, von Arbeitgebern mitfinanzierten Beitrag eingefroren hat. 

Die Kölner Wissenschaftler erwarten nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers, dass der Zusatzbeitrag Ende 2013 im Schnitt schon 33 Euro monatlich betragen wird. Bis 2020 sei ein weiterer Anstieg auf 120 Euro pro Kassenmitglied und Monat absehbar, zitiert die Zeitung weiter. Die Summe käme jeweils auf den normalen Krankenkassenbeitrag von 15,5 Prozent des Bruttolohns oben drauf.

Die Kölner Gesundheitsökonomen unterstellten dem Zeitungsbericht zufolge bei ihren Prognosen jährlich vier Prozent Ausgabensteigerung der gesetzlichen Krankenversicherung. Tatsächlich lagen die Zuwächse zwischen 2007 und 2010 bei durchschnittlich 4,57 Prozent pro Jahr.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums entgegnete jedoch, eine Finanzlücke von vier Prozent zwischen Einnahmen und Ausgaben zu unterstellen, sei auch mit Blick auf die Vergangenheit abwegig.

„Die genannten Berechnungen sind unseriös und entbehren jeder Grundlage“, sagte er. Aus dem Ministerium hieß es zudem, Lauterbachs Institut wolle offenbar Verunsicherung stiften. Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach ist Direktor des Kölner Instituts, ist aber wegen seines Bundestagsmandats beurlaubt.

Die Linke nahm die Berechnungen zum Anlass für Kritik an Röslers gerade in Kraft getretener Gesundheitsreform: „Röslers Kopfpauschalen-Falle schnappt zu“, kommentierte Gesundheitsexperte Harald Weinberg.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach sprach dagegen von „wilder Spekulation“. Die jüngsten Reformen hätten geholfen, die Kostenentwicklung zu verlangsamen. Die Zunahme der Arzneimittelausgaben sei 2010 auf nur noch 1,3 Prozent abgebremst worden. © dapd/aerzteblatt.de

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Henry I
am Montag, 14. März 2011, 22:04

Es klappert die Mühle am lauteren Bach...

"Gericht verbietet Karl Lauterbach Zitatverfälschung:

http://www.presseportal.de/pm/61299/1000897/aerztenachrichtendienst_verlagsgesellschaft_mbh_aend

Wissenschaftler?

No comment.
Businesspaar
am Montag, 14. März 2011, 17:45

Und?

Sie werden aber nichts verändern mit Ihren Einlassungen. Weder Herrn Lauterbach, noch Herrn Rösler und auch nicht diese beiden Kasparköpfe des kassenärztlichen Korupptionsvereins interessiert das alles, was Sie hier von sich geben.

Sorry, können Sie sich noch so aufregen, es wird nix bringen.

Und diese "all-you-can-eat" Aussage im Hinblick auf GKV-Versicherte zeugt nicht unbedingt von Niveau. Immerhin halten diese Menschen Sie als Mediziner am Schei.....

Also ein wenig mehr Respekt kann nicht schaden.

Sie sind mit Ihren Praxen leider ein "Auslaufmodell", wollen das aber nicht wahr haben. Klar, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Viel Glück :-))
harlekin2000
am Montag, 14. März 2011, 13:50

Irgendwann müssen wir doch den Begriff "Wissenschaftler" neu definieren

Auch Herr z. Guttenberg hat eine "wissenschaftliche" Arbeit geschrieben.
Und Herr Lauterbach sieht sehr seriös aus ( typ Streber ). Wer aber dieses Faktum abzieht kommt schnell zum Schluss: Er ist leider nur Typ : Dummschwätzer.
Zumindest betreibt er wohl zum Wohle seiner eigenen Einnahmen: Interessenspflege.
Was man nun unter Interessenspflege verstehen möchte überlasse ich dem Leser.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 14. März 2011, 12:08

"Die schärfsten Kritiker der Elche sind selber Welche"!

Prof. Dr. med. Karl Lauterbach und sein Institut für Gesund­heits­ökonomie und Klinische Epidemio­logie (IGKE) der Universität zu Köln zählen zu den schärfsten Kritikern der Reform von FDP-Minister Philipp Rösler? Das ist doch eher eine Lachnummer, genau so wie das IGKE Teil des Kölner Universitätsklinikums sein möchte. Von k l i n i s c h e r Epidemiologie, angeblich Lauterbachs Steckenpferd, habe ich noch nie etwas Substanzielles gehört. Wegen seines Bundestagsmandats hat der Institutschef sich z. Zt. beurlauben lassen.

Aber jetzt 'in medias res':
1. Professor Lauterbach hatte sich als Freund der Hausärzte geoutet. Bis zu dem Zeitpunkt, als er bis 25.000 Euro Strafe für zu spät vergebene Facharzttermine forderte. Mit Verlaub, die meisten Hausärzte sind Fachärzte, Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Pädiatrie oder auch Praktiker nach anderen abgeschlossenen Weiterbildungen. Aber auch Praktische Ärzte unterliegen permanenter Weiterbildungs- und Qualitätssicherungspflicht bzw. haben fachärztliche Standards.
2. Kein Wort bisher vom "Kollegen" Lauterbach zur absurd niedrigen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der GKV. Im Gegensatz zur Deutschen Rentenversicherung (DRV), wo die BBG im Westen 5.500 Euro mtl. beträgt, wurde die BBG in der Gesetzlichen Krankenversicherung zum 1.1.2011 auf dem Verordnungsweg (BMfAS) von Frau Dr. med. Ursula von der Leyen abgesenkt. Sie liegt jetzt bei 3712,50 Euro Monatsbrutto.
3. Kein Kommentar vom sonst wortgewandten Experten mit der Fliege, dass der SPD-Parteivorstand im November 2010 eine Grundsatzreform der GKV grossspurig ankündigte, die "durchgerechnete Fassung" laut Vorstandsmitglied, Frau Andrea Nahles, aber erst "Anfang April" (gemeint war 2011) der Öffentlichkeit vorstellen mochte.

Die "all-you-can-eat" Mentalität bei GKV-Versicherten, -kassen und Vertragsärzten, die "Flatrate"-Mentalität beim Abgreifen von RLV-, DRG-reglementierten, budgetierten und damit eigentlich rationierten Gesundheitsdienstleistungen möchten die Wissenschaftler des Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) vor lauter Scheuklappen gar nicht wahrnehmen. Stattdessen wird mit Herzenslust und Billigung des in den Bundestag exilierten Chefs von Zusatzbeiträgen für alle Versicherten von durchschnittlich 9 Euro mtl. Ende 2011, von 21 Euro in 2012 und von 33 Euro in 2013 fantasiert. Ende unseres Jahrzehnts würden es dann 120 Euro monatlicher Zusatzbeitrag werden, o h n e Arbeitgeberanteil, von den GKV-Versicherten a l l e i n e zu tragen, lautet die imaginäre Hiobsbotschaft des IGKE mit der Glaskugel in der Hand.

Dabei haben der DGB und die Grünen/Bündnis 90 schon Modelle erläutert, bei denen der GKV-Beitragssatz von derzeit 15,5 % auf 13 % a b g e s e n k t werden könnte, wenn die GKV-BBG an die allgemein akzeptierte Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung (DRV) angeglichen würde. Dann würde, und das geht an die Lauterbach'sche SPD und besonders an die "lieben Freunde" der FDP, der Krankheitskostenanteil an den Lohnkosten deutlich abgesenkt. Das forden eigentlich Alle, außer der Linksfraktion, einschließlich Arbeitgeber und Wirtschaftswissenschaftler seit mehr als einer Dekade, ohne realisierbare Lösungsansätze.

Mit freundlichen, kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM DO
promisit
am Freitag, 11. März 2011, 08:01

Hochachtung

Meine Hochachtung für ein System, wo der beitragzahlende Bürger durch entsprechende Gesetzesvorlagen verpflichtet wird, alle entstehenden Kosten zu übernehmen, unabhängig davon, wie gerechtfertigt die Ausgaben sind. Dies ist ein Freischein zum Abzocken.
rostm
am Donnerstag, 10. März 2011, 23:58

Satire

Hier der Anfang einer Satire, die ich im Jahre 2005 schrieb. Wirklich Satire oder reelle Fiktion?

Wir schreiben das Jahr 2013. Oder: warum jetzt alles besser ist

ACHTUNG SATIRE MIT EINIGEM WAHRHEITSGEHALT

Wir schreiben also 2013. In dem Land in der Mitte Europas ist vieles besser geworden, als man 2005 noch zu hoffen gewagt hatte. Einen großen Anteil an den Verbesserungen haben die Reformen im Gesundheitssystem, die an allen Hebeln ansetzen und jetzt allmählich Wirkung zeigen...

Umfassende Beitragserhebung

Acht Jahre ist es jetzt her, das die Kanzlerin A.M. das Heft in die Hand genommen hat. Gesundheitsminister Mißfelder , der Ulla Schmidt beerbt hat, hat das inzwischen achte Reformgesetz angekündigt: Die Gesamt-Beiträge in den Gesundheitsfond plus kassenindividueller Zusatzbeiträge sollen trotz der ungünstigen Alters- und Erwerbsstrukturen bei inzwischen durchschnittlich 31 % stabilisiert werden. 2009 hatte man sich nach neuen Diskussionen über die Beitragsgerechtigkeit, über Kopfpauschalen und einkommensabhängige Beiträge schließlich auf einen Kompromiss aus Bürgerversicherung und Kopfpauschale (S-M-Modell) geeinigt: 100 Euro Kopfpauschale plus einkommensabhängiger variabler Anteil. Wie geplant, werden die Beiträge in einen Fonds gezahlt. Um alle Einkünfte zu erfassen, wurde ein umfassendes Erhebungssystem eingeführt, das alle Einkunftsarten sowie Aktiengewinne erfasst. Aus Gründen des Datenschutzes konnte dabei nicht auf die Daten der Finanzämter zurückgegriffen werden, vielmehr existiert seit dem 1.7.2010 eine Gesundheitssteuerabgabenkontrollstelle der GKV (Gestako), die mit ihren Landeszentralen und örtlichen Erfassungsämtern zum einem der wichtigsten Arbeitgeber der Republik geworden ist. Der MDK mit seinem umfassenden Kontrollapparat steht für einen weiteren erheblichen Anteil der Arbeitsplätze in Deutschland.....
Dr. Tod
am Donnerstag, 10. März 2011, 20:15

Raus aus diesem Ausplünderungssystem..

das Schlimme nur: Man kann nicht mehr raus...
Der dekadente Politikbetrieb hat vorgesorgt.
Ein Zwangssystem, das Beiträge mit Hauptzollamt einzieht und pfändet,
das andererseits aber laut Paragraf 1 des Ersten Sozialgesetzbuches deckungsgleich ist mit der DDR- Verfassung von 1949 und
im Paragraf 1 SGB V festlegt, dass nicht der Versicherte, sondern seine Krankenkasse für dessen Gesundheit verantwortlich ist, die Versicherten sind nur ''mitverantwortlich'' !
So was ist doch ein fürsorglichen Staat.
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