Erhöhte Mortalität: Einschränkung aller Anwendungsgebiete von Tygacil
Donnerstag, 17. März 2011
Bonn – Die US-amerikanische Arzneibehörde FDA hatte bereits im September letzten Jahres auf das erhöhte Sterberisiko unter der Therapie mit Tygacil® (Wirkstoff: Tigecyclin) hingewiesen und einen umsichtigen Einsatz des Reserveantibiotikums angemahnt. Jetzt hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nach Absprache mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Anwendungsgebiete präzisiert.
Der Rote-Hand-Brief des Herstellers betont, dass Tigecyclin ein Reserveantibiotikum ist und nur als solches eingesetzt werden soll, das heißt: „wenn bekannt ist oder vermutet wird, dass andere Antibiotika nicht geeignet sind.“
Hervorgehoben wird zudem die eingeschränkte Indikation: Tygacil „ist nur zur Behandlung von komplizierten Haut- und Weichgewebsinfektionen und komplizierten intraabdominellen Infektionen zugelassen.“
Hintergrund der Anwendungsbeschränkung sind klinische Studien, in denen bei Patienten, die mit Tigecyclin behandelt wurden, höhere Mortalitätsrate beobachtet wurden als bei Patienten, die andere Antibiotika erhielten: In allen Phase-III- und Phase-IV-Studien zu komplizierten Haut- und Weichgewebsinfektionen und komplizierten intraabdominellen Infektionen, also den zugelassenen Indikationen, verstarben 2,3 Prozent der Patienten mit Tigecyclin und 1,5 Prozent der Patienten mit Vergleichsmedikationen, heißt es künftig in der Fachinformation.
Ungünstig scheinen die Therapieergebnisse zu sein, wenn es unter Behandlung mit Tigecyclin zu einer Superinfektion kommt, vor allem zu einer nosokomialen Pneumonie. Deshalb sollten Patienten engmaschig auf eine mögliche Superinfektionen hin überwacht werden, um gegebenenfalls auf andere Antibiotika auszuweichen.
Die FDA hatte noch auf ein besonders hohes Risiko von Tigecyclin bei beatmungsassoziierten Pneumonien (VAP) hingewiesen, die allerdings eine nicht zugelassene Indikation ist.
London – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich gegen ein Verbot des Akne-Medikaments Diane 35 und seiner Generika ausgesprochen, die Anwendung soll aber klarer als bisher auf die Akne...
Bonn – Eine erhöhte Rate von Myokardinfarkten in klinischen Studien veranlasst das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Anwendung des Osteoporosemedikaments Protelos...
London – Viele Medikamente enthalten als Hilfsmittel Phthalate oder Parabene. Auch wenn eine Gesundheitsgefährdung nicht erkennbar ist, plant die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Höchstgrenzen...
Seattle – Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose sollten nicht mit dem Endothelin-Antagonist Ambrisentan behandelt werden. In einer Phase-III-Studie, deren Ergebnisse jetzt in den Annals of...
Rockville – Das Antiepileptikum Retigabin kann nach längerer Einnahme zu einer Blaufärbung der Haut führen. Betroffen waren in Postmarketing-Studien vor allem die Lippen und die Nägel. Laut FDA ist...
Bonn – Ärzte und Patienten können sich künftig direkt unter http://nebenwirkung.bfarm.de/ bei der Überwachungsbehörde für Arzneimittel über Arzneimittelrisiken informieren. Das Bundesinstitut für...
Hamm – Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat zwei Broschüren zum Thema Medikamentenabhängigkeit neu aufgelegt. Die Information „Immer mit der Ruhe… Nutzen und Risiken von Schlaf- und...
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.