Manhasset – Die erste erfolgversprechende Gentherapie des Morbus Parkinson hat den Test einer randomisierten Phase-II-Studie bestanden. Nach den im Lancet Neurology (2011; doi: 10.1016/S1474-4422(11)70039-4) mitgeteilten Ergebnissen erholten sich die Patienten besser als nach einer Scheinoperation.
Für die Gentherapie wurden in einem stereotaktischen Eingriff adeno-assoziierte Viren (AAV) in den Nucleus subthalamicus injiziert. Sie gelten als harmlos. Bei der Therapie dienen als sie Genfähre. Sie infizieren die Hirnzellen und laden in ihnen ihre Genfracht ab.
Sie bestand in dem Gen für das Enzym Glutaminsäuredecarboxylase (GAD). Es produziert den Neurotransmitter Gamma-aminobuttersäure (GABA). Dieser Botenstoff hat eine inhibitorische Wirkung. Er soll einer Überaktivität im Nucleus subthalamicus entgegenwirken, zu der es beim Morbus Parkinson kommt.
Die Therapie war zunächst im Tiermodell erprobt worden. Vor vier Jahren hatte sie sich in einer offenen Phase-I-Dosisfindungsstudie als sicher erwiesen (Lancet 2007; 369: 2097-2105). Es gab auch Hinweise auf eine Wirksamkeit. Doch der Beweis durch eine Doppelblindstudie stand noch aus.
Der Hersteller Neurologix aus Fort Lee in New Jersey ließ deshalb an sieben US-Zentren eine Phase-II-Studie durchführen. Es beteiligten sich 45 Patienten mit Morbus Parkinson. Einschlusskriterium war ein Score von 25 oder mehr in der UPDRS (unified Parkinson’s disease rating scale), nachdem die Medikamente am Abend zuvor abgesetzt worden waren.
Alle Patienten wurden operiert, doch nur bei 23 Patienten wurde eine Gentherapie durchgeführt. Bei den anderen 22 Patienten verzichteten die Chirurgen auf eine Trepanation und das Einbringen der Gene. Den Patienten wurde lediglich eine Kochsalzlösung unter die Haut injiziert. Endpunkt der Studie war die Veränderung des UPDRS-Scores in den ersten sechs Monaten nach der Operation.
Wie Andrew Feigin vom Feinstein Institute for Medical Research in Manhasset im US-Staat New York und Mitarbeiter berichten, verbesserte sich der UPDRS-Score nach der Gentherapie um 8,1 Punkte oder um relativ 23,1 Prozent.
Nach der Scheinoperation kam es zu einer Verbesserung um 4,7 Punkte oder relativ 12,7 Prozent. Die Unterschiede waren über die gesamte Studiendauer von sechs Monaten signifikant. Bei einem Patienten kam es zu einer schweren Darmobstruktion, die die Forscher allerdings nicht mit der Therapie in Verbindung bringen.
Der Patient habe sich zudem vollständig erholt. Die Nebenwirkungen bestanden bei sieben Patienten in Kopfschmerzen (2 Patienten nach Scheinoperation) und bei sechs Patienten in Übelkeit (2 Patienten nach Scheinoperation).
Der Hersteller interpretiert die Ergebnisse als Erfolg. Er kündigte an, noch in diesem Jahr bei der Kontrollbehörde FDA einen Antrag auf eine Phase 3-Studie zu stellen. Der Kommentator Michael Hutchinson von der New York University School of Medicine ist zurückhaltender in der Beurteilung (2011; doi:10.1016/S1474- 4422(11)70041-2).
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