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Rösler will weniger Bürokratie und mehr Zeit für Pflege

Freitag, 18. März 2011

Berlin – Anträge, Formulare, Strichlisten: Gesund­heits­minister Philipp Rösler will den täglichen Papierkrieg für Pflegekräfte und Angehörige bei der Betreuung alter Menschen eindämmen.

„Wir wollen weniger Büro­kratie“, sagte der FDP-Politiker am Freitag in Berlin. „Wir wollen, dass Pflege­kräfte wieder mehr Zeit haben für die Pflege. Wir wollen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht.“

Rösler beriet bei einem weiteren Pflegegipfel mit Experten, wie die vielfältigen Kontrollen und Dokumentationspflichten sinnvoller gestaltet werden können. Zudem ging es darum, wie Angehörigen bei Anträgen und Ähnlichem geholfen werden kann. Oft verbringen Pfleger und Familien viel Zeit mit dem Ausfüllen von Papieren, die unter anderem die Qualität der Pflege nachweisen sollen.

Rösler sagte, man wolle konkret darauf hinwirken, dass die Pflegekräfte weniger auf Papier und mehr mit elektronischen Hilfsmitteln arbeiten. Das könne Zeit sparen. Zudem soll das Verfahren der Krankenkassen zur Genehmigung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Krankenbetten noch einmal unter die Lupe genommen werden.

Rösler will auch prüfen lassen, ob Kontrolltermine diverser Instanzen in Heimen – Heimaufsicht, Medizinischer Dienst, Gewerbeaufsicht, Feuerwehr - gebündelt werden können. Darüber hinaus kündigte der Minister die Benennung einer „Ombudsperson“ an, die alle Vorschläge zum Bürokratieabbau zusammentragen und in das anstehende Gesetzgebungsverfahren zur Pflegereform einbringen soll.

Mit der Reform sollen sowohl die Leistungen, als auch die Finanzierung der Pflegereform umgestellt werden. Die Pflegedialoge mit Betroffenen und Fachleuten sind als Vorbereitung gedacht. Mindestens zwei weitere solche Fachgespräche sollen noch folgen. Danach will Rösler Eckpunkte für sein Gesetz vorlegen.

Allein im Behördendschungel
Verbraucherschützer und Sozialverbände plädierten ebenfalls dafür, vor allem Angehörige von Bürokratie zu entlasten. Allerdings gehe es auch nicht ganz ohne Dokumentation, sagte der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Stefan Etgeton. Wünschenswert seien bundesweit einheitliche Standards.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung schlug vor, wiederkehrende, stets gleiche Abläufe wie Waschen, Windeln und Füttern nur noch bei Besonderheiten extra zu dokumentieren. „So könnte der Dokumentationsaufwand reduziert werden, ohne dass die Pflegequalität leidet“, erklärte der Spitzenverband.

Der Sozialverband VdK forderte vor allem eine Entlastung pflegender Angehöriger. „Sich im Behördendschungel zurechtzufinden und die vielen komplizierten Anträge auszufüllen, kostet die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen viele Nerven, Zeit und Geld“, kritisierte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Sie forderte den Ausbau der Pflegestützpunkte in den Ländern. Die schwarz-gelbe Koalition sieht dieses Angebot aber skeptisch.

Die Deutsche Hospizstiftung erklärte, es sei eine „schräge Logik, dass mit mehr Dokumentation eine bessere Pflege geleistet wird“. Auch eine vollständige Dokumentation sage nichts über die Qualität der Pflege aus.

Rösler hatte im Dezember einen Pflegedialog gestartet, um die geplante Pflegereform vorzubereiten. Bei den bisherigen Treffen ging es darum, den Pflegeberuf attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel in der Branche zu beheben. Beim nächsten Treffen Mitte April steht das Thema Demenz auf der Tagesordnung. Erst ganz zum Schluss soll es um das Streitthema Pflegefinanzierung gehen. © dapd/aerzteblatt.de

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harlekin2000
am Montag, 21. März 2011, 12:56

Bitte nicht Herr Rössler.

1. sind Sie ein Bundeswehrsoldat ( zumindest hat der Steuerzahler sinnloserweise Ihr Studium finanziert) und die sind bekannt dafür, dass es nicht ohne Papier abgeht.
2. jede Ankündigung den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass dieser exponentiell angestiegen ist.
promisit
am Montag, 21. März 2011, 08:53

Fata Morgana

Bei der Überschrift glaubt man noch an den guten Willen. Tatsächlich ist es eine neue Fata Morgana der Politik und Kassen. Elektronische Hilfsmittel statt Papier? Die Gemeindeschwester und der Pflegedienst kommen mit dem Laptop, um die bessere Pflege mit weniger Aufwand zu dokumentieren? Nach Tagesgeschäft wird dann der Stecker in die DSL-Leitung geschoben und die Pflegkassen sowie das BMG wissen am nächsten Tag, was Schwester und Pfleger vor Ort geleistet haben (oder nicht) und was abgerechnet werden kann. Die GKV verzichtet auf Dokumente beim Waschen, Füttern, Windeln. Prima Idee, weiß man doch, daß dies bei der pflegerischen Versorgung grundsätzlich gemacht wird. So wird die Pflege nicht verbessert (!) und darum geht es wohl auch nicht. Daß hier völlig andere Konzepte erforderlich wären, werden auch die jetzigen EntscheidungsträgerInnen erst verstehen, wenn sie einmal in der Zukunft in gefüllten Windeln ausgetrocknet und einsam im Bett liegen und seit Stunden auf die zweimal täglich kommende Pflegekraft warten, da die Angehörigen keine Zeit haben, weil sie das Geld für eine qualifizierte Pflege verdienen müssen. Doch dann ist es vermutlich zu spät....

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