Bremen – Anlässlich des Skandals um mit Methadon und Heroin belastete Kinder in Bremen hat die Substitutionskommission der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) und der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) den zuständigen Stellen Nachlässigkeit vorgeworfen.
Zuvor hatten Untersuchungen der Sozial- und Gesundheitsbehörde des Landes ergeben, dass zahlreiche Kinder methadonsubstituierter Eltern selbst Spuren illegaler Drogen im Körper hatten. Es bestehe der Verdacht, dass die Eltern ihren Kindern möglicherweise bewusst Drogen wie Kokain, Heroin oder Beruhigungsmittel gegeben haben, sagte die Sprecherin des Bremer Sozial- und Gesundheitsressorts, Petra Kodré, am Freitag.
Bei 14 von 15 in den vergangenen Monaten untersuchten Kindern wurde in Haarproben Drogen gefunden, die Minderjährigen wurden aus den Familien genommen. Die Zahl sei alarmierend, sagte Kodré.
Vonseiten der KVHB-Substitutionskommission hieß es, sie habe seit langem auf mögliche Risiken des Therapieprogramms hingewiesen. „Wir müssen leider feststellen, dass die zuständigen Stellen die Hinweise der Experten seit mindestens vier Jahren auf die leichte Schulter nehmen“, kritisierte KVHB-Vize Günter Scherer.
So habe die Substitutionskommission seit 2007 auf 19 Suchtpatienten mit Kindern hingewiesen, die zum Teil neben der Entwöhnungsdroge Methadon zusätzlich weitere Rauschgifte zu sich genommen hätten. Aus Sicht der Mediziner stelle dies eine akut bedrohliche Situation für Kinder dar.
Eine Initiative der Substitutionskommission aus dem Jahr 2007, wonach Entwöhnungspatienten mit Kindern prophylaktisch erfasst werden, um die Familiensituation durch die zuständigen Stellen besser zu durchleuchten, habe der Datenschutz einen Riegel vorgeschoben. „Wir hätten hier gemeinsam mit den zuständigen Stellen Lösungen finden können. An den Ärzten in Bremen wäre dies nicht gescheitert“, so Scherer.
Es werden nun weitere 30 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren und deren Geschwister untersucht. Kleinkinder seien besonders gefährdet, da Eltern möglicherweise mit ihnen überfordert seien und sie ruhigstellen könnten.
Die Analysen werden von zwei Laboren unabhängig voneinander vorgenommen. Mit dem Ergebnis werde in rund vier Wochen gerechnet. Eine solche systematische Überprüfung habe es bislang noch nicht gegeben. Sollte sie zu einem ähnlichen Resultat kommen wie bei den ersten 15 Proben, würde dies bundesweit die Drogentherapie „auf den Kopf stellen“, sagte Kodré.
| Versenden | Teilen |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.