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Tarifverhandlungen bei Helios: Schwere Vorwürfe an die Konzernspitze

Montag, 21. März 2011

Berlin – Wenige Tage vor Beginn der vierten Verhandlungsrunde über einen neuen Tarifvertrag für die rund 3.000 Ärztinnen und Ärzte der Helios-Kliniken GmbH sorgt ein Brief an den Vorsitzenden der Helios-Geschäfts­führung, Francesco De Meo, für Aufsehen. In dem Schreiben, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, erheben die 688 unterzeichnenden Ärzte schwere Vorwürfe gegen die Konzernleitung.

„An die Stelle medizinisch motivierter Entscheidungen tritt zunehmend ein Kampf um die Einhaltung betriebswirtschaftlicher Vorgaben und Benchmark-Erfüllung“, kritisieren die Helios-Ärzte. Ein arbeitspsychologisch wünschenswertes Verhältnis zwischen Beschäftigten und Geschäftsleitung weiche zunehmend einem vielfach als Abmahnungskultur empfundenen Umgang.

Das Vorgehen der Konzernspitze in den Tarifverhandlungen zeige deutliche Parallelen zu diesem zunehmend schärferen Ton gegenüber dem gesamten medizinischen Personal in vielen Helios-Kliniken, heißt es weiter: „Bislang durften wir Ärzte im Helios-Konzern im Gegenzug für unseren erheblichen Beitrag zur Steigerung von Effizienz und Rentabilität erwarten, dass der Konzern uns in entsprechendem Maße an der positiven Unternehmensentwicklung teilhaben lässt.“

Diese Zeiten könnten nun vorbei sind, fürchten die Ärzte. Sie verweisen auf Aussagen der Konzernspitze, wonach die bisherigen überdurchschnittlichen Entgeltbedingungen dem Konzern nicht genützt hätten, etwaige Engpässe beim ärztlichen Personal zu beseitigen: „Wir sind gerade angesichts der Personalsituation, der sich die gesamte Krankenhausbranche im Hinblick auf den Ärztemangel ausgesetzt sieht, von diesem Vorgehen überrascht und enttäuscht.“

Der Konzern solle sich stattdessen vergegenwärtigen, dass die Helios-Krankenhäuser bisher gerade wegen ihrer Entgeltbedingungen nicht in so dramatischer Weise wie viele andere Krankenhäuser vom Ärztemangel betroffen waren, argumentieren die Ärzte: „Sollten sich in den Verhandlungen nicht greifbare Ergebnisse zeigen, wird es zu einem Dammbruch kommen, der die Helios-Kliniken in bislang ungekannter Weise mit dem Problem des Ärztemangels konfrontieren wird.“

Die Tarifverhandlungen zwischen Helios und dem Marburger Bund ziehen sich bereits seit knapp einem Jahr hin. Die Ärztegewerkschaft fordert eine lineare Erhöhung der Entgelte um fünf Prozent und eine bessere Vergütung der Arbeit zu ungünstigen Zeiten. Die Verhandlungskommission des privaten Klinikbetreibers sei auf diese Forderungen in den ersten Verhandlungsrunden gar nicht erst eingegangen, sondern habe vielmehr eigene Forderungen an den Marburger Bund formuliert, kritisiert die Ärzteseite. Bisher gehörte Helios zu den Tarifführern der Branche.

In den zurückliegenden Wochen hatte der Marburger Bund in kurzer Folge mit den drei anderen großen privaten Klinikkonzernen (Rhön, Sana und Asklepios) Tarifeinigungen erzielt. „Ich kann nur hoffen, dass das Helios-Management die Zeichen der Zeit endlich erkennt und den Weg für eine Vereinbarung frei macht“, sagte Lutz Hammerschlag, Verhandlungsführer des Marburger Bundes. Die Tarifverhandlungen werden am 25. März 2011 in Berlin fortgeführt. © JF/aerzteblatt.de

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