Sport hilft Patienten während der Stammzelltransplantation
Dienstag, 22. März 2011
Heidelberg – Körperliche Aktivität vor, während und nach einer Transplantation von Blutstammzellen hilft gegen die durch die Krebserkrankung und -behandlung hervorgerufene Müdigkeit, die sogenannte Fatigue.
Das berichten Forscher um Joachim Wiskemann von Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, Programm Sport und Krebs, gemeinsam mit Wissenschaftlern des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, Mannheim, in der Fachzeitschrift Blood (2011; 117: 2604 – 2613).
„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass gezielte körperliche Aktivität, die bereits vor der eigentlichen Behandlung startet und auch danach weitergeführt wird, nicht nur das gefürchtete Fatigue-Syndrom abmildert, sondern auch die Lebensqualität und die Fitness der Patienten nachhaltig steigert“, sagte Wiskemann, stellvertretender Leiter des Programms Sport und Krebs am NCT.
Patienten, die unter Blutkrebs leiden, können durch eine so genannte allogene Stammzelltransplantation geheilt werden. Bei dieser Therapie erhalten sie zunächst eine Hochdosis-Chemotherapie, die ihr eigenes blutbildendes System ausschaltet. Anschließend geben ihnen die Ärzte Stammzellen eines gesunden Spenders, die sich dann zu neuen blutbildenden Zellen entwickeln.
Die intensive Therapie schaltet auch die Immunabwehr des Patienten aus, was notwendig ist, damit die Spenderzellen nicht als fremd abgestoßen werden. Für den nun schutzlosen Patienten bedeutet dies jedoch, dass er isoliert in einer keimfreien Umgebung meist über mehrere Wochen behandelt werden muss.
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In der Studie ordneten die Wissenschaftler 80 Patienten einer Sport- oder einer Kontrollgruppe zu. Während die Sportgruppe zusätzlich zur klinischen Standardbehandlung zweimal pro Woche ein von Trainern angeleitetes Programm an Sportgeräten durchführte, erhielt die Kontrollgruppe lediglich Zugang zu Sportgeräten, jedoch mit demselben Maß an sozialer Betreuung.
Die Sport-Patienten lernten ihre körperlichen Fähigkeiten selbst einzuschätzen. Sie sollten sich nicht überlasten, wenn sie zusätzlich zu den beiden Trainingseinheiten dreimal pro Woche eigenverantwortlich spezielle Kraft- und Ausdauerübungen absolvierten. Hierfür erhielten sie Trainingspläne und eine Übungs-DVD. Vor und nach dem stationären Aufenthalt trainierten die Patienten eigenständig zu Hause.
Der wichtigste Effekt zeigte sich beim Fatigue-Syndrom, das sich in chronischer Müdigkeit und Antriebsschwäche zeigt. Zu Beginn der Behandlung hatten die Wissenschaftler diese Symptome mit dem so genannten Fatigue-Score gemessen. Bei den Patienten in der Sportgruppe war dieser zum Abschluss der Studie um 15 Prozent geringer ausgeprägt.
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