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Aufarbeitung von Ärzte-Verbrechen während der NS-Zeit kommt voran

Mittwoch, 23. März 2011

Berlin – Einen Forschungs­bericht „Medizin und National­sozialismus“ hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) vorgestellt. „Ärzte haben in der Zeit des National­sozialismus aktiv an der systematischen Ermordung von Kranken mitgewirkt. Außerdem haben sich führende Vertreter der Ärzteschaft an der Vertreibung ihrer jüdischen Kolleginnen und Kollegen beteiligt“, sagte BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe bei der Vorstellung des Berichtes während einer Gedenk­veranstaltung für die Opfer der während des Nationalsozialismus von Ärzten begangenen Verbrechen. Die Veranstaltung fand in Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum statt.

Hoppe betonte, die deutsche Ärzteschaft habe sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit den Verbrechen, die von Ärzten verübt worden seien, befasst und Initiativen zur Erforschung der Rolle von Ärzten im Dritten Reich unterstützt.

„Ärzte haben in der Zeit des Nationalsozialismus Tod und Leiden von Menschen herbeigeführt, angeordnet oder gnadenlos verwaltet“, sagte der BÄK-Präsident. Eine vollständige Aufarbeitung dieser Gräuel stehe noch aus. Der von einer unabhängigen Expertengruppe erstellte Forschungsbericht sei hierfür aber ein wichtiger Beitrag.

Die 320 Seiten umfassende Publikation ist eine Bestandsaufnahme des aktuellen Forschungsstands zur Rolle der Mediziner im Dritten Reich. Das Buch liefere einen Überblick über die Bandbreite der wissenschaftlichen Arbeiten zu dem Thema, erläuterte der Leiter der Forschungsgruppe und Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Robert Jütte.

Zentrale Bereiche seien die NS-Gesundheitspolitik und die ihr zugrundeliegende Weltanschauung, das Gesundheitswesen und die Forschung in der NS-Zeit, die medizinische Praxis in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs sowie die Brüche und Kontinuitäten nach 1945.

Die Gedenkveranstaltung bildete zugleich den Rahmen für die Verleihung des Forschungspreises, den die BÄK zum dritten Mal gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ausgelobt hat. Die Auszeichnung ging an die Stuttgarter Ärztin Susanne Rueß für ihre Dissertation über das an jüdischen Ärzten begangene Unrecht in der NS-Diktatur und nach 1945.

Neben Rueß erhielten zwei weitere Autorinnen den mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis. Rebecca Schwoch überzeugte mit zwei Monografien über die Strukturen der Verfolgung jüdischer niedergelassener Ärzte sowie über die Kontinuitäten und Brüche im Denken und Handeln der organisierten Ärzteschaft in Berlin. Anna von Villiez erhielt den Preis für ihre Lokalstudie zum Schicksal jüdischer Ärzte in Hamburg während der NS-Zeit.

Mit dem Sonderpreis zeichneten die Juroren das Bemühen von Hansjörg Ebell zum 70. Jahrestag des Approbationsentzugs aller jüdischen Ärzte aus, die Erinnerung an deren Ausgrenzung mit einem Ausstellungsprojekt wach zu halten. Gerade durch eine überzeugende mediale Gestaltung werde auch das Interesse der jüngeren Generation für das Thema geweckt.

Die Jury hob hervor, dass die Wanderausstellung bereits an verschiedenen Orten gezeigt wurde und damit eine breite Öffentlichkeit erreiche. Die Ausstellung ist vom 24. März bis zum 29. April im Haus der BÄK in Berlin-Tiergarten zu besichtigen.

Die hohe Zahl und hohe Qualität der eingereichten Arbeiten zeige das anhaltende Interesse der nachwachsenden Ärztegeneration an der Thematik, so Hoppe. © hil/aerzteblatt.de

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